JEVER - Die Landesbühne Nord hat eine eigene „Pinocchio“-Version geschaffen. Die Premiere fand gestern in Jever statt.

Von Norbert Czyz

JEVER - „Zugabe, Zugabe“ schrien im Theater am Dannhalm die hinteren Reihen zum Schluss, als die Fee mit den blauen Haaren (Wibke Quast) Pinocchios Wunsch erfüllte. Der Holzbub (Daniel Gärtner) hatte nach schlechten Erfahrungen mit den Menschen schlichtweg die Nase voll: „Es wäre mir lieb, wenn ich ein richtiger Junge und kein Holzbub mehr wär“.

Ansonsten verhielt sich das junge Publikum während der Uraufführung der Pinocchio-Version ungewöhnlich diszipliniert. Kaum Zwischenrufe, kein Tuscheln, kein Szenenapplaus. Da wurde es dem Autor und Regisseur Dietrich Trapp ganz bange. Er holte in der Pause schnell das Urteil einiger Schüler ein. Und jedes Mal bekam er zu hören: „Es hat mir gut gefallen.“ Und wer etwas nachbohrte, erhielt meist die Antwort: „Die Grille (Nikola Lenk) hat mir besonders gut gefallen.“

Eine leichte Bühnenschräge, eine aufklappbare Kiste mit der Aufschrift „Fragile“, ein paar Requisiten, schöne Kostüme waren die Pfunde, mit denen die Inszenierung wuchern konnte und in der die schmissige Musik ein verbindendesElement darstellte. Dazu sechs Darsteller (neben den schon Erwähnten noch Andrej von Sallwitz, Heike Clauss und Marco Alvaro), die zusammen 20 Rollen (!) zu spielen hatten.

Diese Form von Effektivität muss die Inszenierung gelegentlich mit kleinen Spannungslöchern bezahlen, die im ersten Teil den Fluss der wie an einer Perlenkette aneinandergereihten Abenteuer etwas hemmen. Doch mit Bewegungsbegabung überspannten Daniel Gärtner als Pinocchio und mit stimmlicher Präsenz Nikola Lenk als Grille so manchen Übergang der manchmal abrupt endenden Episoden, die durch nie billige Gags angereichert waren.

Den hörbar stärksten Anteil nahm das junge Publikum (4. Klassen aus Jever) an einer Szene, die es am besten nachempfinden konnte. Pinocchio saß endlich dort, wohin ihn der vermisste Vater und das im Text öfter strapazierte pädagogische Gewissen haben wollten: in der Schule. Doch er büchst erneut aus und landet schließlich im Magen eines Wales. Dort trifft er aber endlich auf seinen Vater.

Noch ein schöner Schlusssong, und besiegelt ist der alte Märchenspruch: Ende gut, alles gut.

Karten: 04421/94 01 15. Die nächsten Termine: 1. und 2. November jeweils 8.30 und 10.45 Uhr in Jever, am 6. und 7. November um 8.45 und 11 Uhr im Stadttheater Wilhelmshaven. die Nordwestbahn bietet an bestimmten Tagen ermäßigte Tickets an.