Jeverland - Für viele Touristen sind sie oft der erste Kontakt mit einer Stadt oder einer Region, sie kennen die Orte wie ihre Westentasche und können zumeist mit Begeisterung Spannendes und Wissenswertes berichten. Auch deswegen sind ihre Führungen teils in historischen Kostümen so beliebt – und das nicht nur bei Touristen. Auch manch Einheimischer nutzt ihre Touren, um sich noch ein wenig genauer über die eigene Heimat zu informieren.
Gästeführer können als Stadtführer, Landschaftsführer, Park- und Wanderführer, Museumsführer oder Kirchenführer arbeiten. Sie verstehen sich als Botschafter ihrer Region, sind Experten für Kunst, Geschichte und Architektur, interpretieren Kulturen und Mentalitäten, sind Spurenleser der historischen und gegenwärtigen Topographie und Ratgeber der Touristen.
Auch im Jeverland sind viele teils ehrenamtliche Gästeführer unterwegs. Besonders bekannt sind etwa Jevers Nachtwächter oder Neustadtgödens Ausrufer. Aber auch viele weitere Gästeführer teils in historischen Kostümen bereichern die Region mit ihrem Wissen und ihren Führungen.
Wer zertifizierter Gästeführer werden möchte, braucht dafür eine Ausbildung. Zum Beispiel über die LEB Weser-Ems in Bad Zwischenahn.
An diesem Donnerstag, 21. Februar, ist der Weltgästeführertag, der weltweit seit 1990 gefeiert wird. Grund genug, die zahlreichen – teils auch ehrenamtlichen – Gästeführer im Jeverland in den Blick zu nehmen.
Sprung ins kalte Wasser
Sie führen durch Städte, Dörfer, Landschaften, Museen oder Kirchen und zeigen die Besonderheiten der Orte aus ihrem Blickwinkel. Das gilt auch für Dirk Arnskötter aus Neustadtgödens, der oft auch gemeinsam mit Neustadtgödens Ausrufer Hinrich Janßen unterwegs ist.
Arnskötter ist seit sieben Jahren mit Leib und Seele Gästeführer. Ursprünglich kommt er aus Dortmund, hat sich aber bei seinem berufsbedingten Umzug nach Neustadtgödens sofort in den kleinen Ort mit seiner eindrucksvollen Geschichte verliebt. „Neustadtgödens muss man einfach lieben, der Ort kommt direkt nach meiner Frau“, sagt er und lacht.
Zum Gästeführen kam er übrigens durch einen Zufall: ein anderer Gästeführer war aus gesundheitlichen Gründen ausgefallen, Dirk Arnskötter machte seine erste Tour mit und sprang als alter holländischer Deichbauer direkt ins kalte Wasser. „Und da hab ich gemerkt, dass mir das wahnsinnig viel Spaß macht. Das hat sich bis heute nicht geändert.“
Heute tritt er immer noch als Deichbauer (Kojer), als alter Westfale mit Münsterländer Platt oder als Sudler – also als Koch und Bierbrauer – auf und führt Gruppen durch Neustadtgödens.
Auf Menschen zugehen
Auch Hinrich Janßen, Deutscher Ausrufermeister und Träger des Friesland-Talers, ist als Gästeführer unterwegs und prägt die Außenwahrnehmung Neustadtgödens’. „Wichtig ist das Auftreten, man sollte offen auf die Menschen zugehen“, sagt er. Heute kaum mehr vorstellbar, aber bei seiner ersten Gästeführung war Janßen ordentlich aufgeregt. „Ich habe aber sofort Gefallen daran gefunden“, sagt er. Und einen Tipp hat der 60-Jährige auch noch: nicht zu viele Zahlen und Daten nennen. „Die Leute wollen ja einen schönen Nachmittag erleben und nicht das Gefühl haben, dass sie auf der Schulbank sitzen.“
Seine ersten Touren rund um das historische Wurtendorf Wüppels hat auch Gästeführer Martin Ahrends erfolgreich umgesetzt. Der 64-Jährige ist in Wüppels getauft und konformiert worden, mehr als 60 Jahre seines Lebens hat er im Wangerland verbracht. Deichbau und Küstenschutz sind seine Steckenpferde. Nun bietet er seit kurzem im Rahmen des Vereins „Wangerland Guides“ Radtouren für Touristen und Einheimische an.
„Als Mitglied der Geschichtswerkstatt Wangerland liegt mir die Region einfach sehr am Herzen“, sagt er. Deswegen vermittelt er Historisches und Wissenswertes sowie Besonderheiten des Wangerlands gerne an Interessierte. „Im Moment bereite ich mich auf die neue Saison vor, demnächst kommt auch wieder eine Gruppe, die ich dann mit dem Rad eine ganze Woche lang umher führen werde“, sagt er.
Frauke Büsing-Gerdes hat ihre Ausbildung zur Gästeführerin erst kürzlich abgeschlossen. Seitdem führt sie Gruppen durch Jever. Die 48-Jährige liebt diese Aufgabe: „Ich wusste sehr schnell, dass das genau das ist, was ich machen will“, sagt sie. „Jever ist einfach eine super schöne Stadt mit einer tollen Geschichte. Die zu vermitteln macht mir wahnsinnig viel Spaß.“
Oft würden Touristen Jever nur als Bierstadt kennen – „dabei bietet die Stadt das und noch vieles mehr“, weiß Frauke Büsing-Gerdes. „Für mich ist es toll, wenn die Leute nach meinen Führungen sagen, dass es spannend war und dass sie mir noch viel länger hätten zuhören können.“
Zankend durch Jever
Im Moment arbeitet sie zusammen mit einer Kollegin und einer Regisseurin aus Hamburg an einer historisch-szenischen Gästeführung. „Dabei bleiben wir die ganze Zeit über in unserer historischen Rolle, wir kennen zum Beispiel keine Ampeln oder Autos – eine Herausforderung.“ Am Ende werden sich dann eine Anhalt-Zerbster Dame und eine Friesin durch Jevers Straßen und Gassen zanken.
