Oldenburg - Jörn Anders ist gestorben, dieser großartige Oldenburger Trompeter und Jazzer aus Leidenschaft, in der Nacht zum 4. Oktober. Viel zu früh mit 57 Jahren, im besten Musikeralter, an einer gemeinen, heimtückischen Krankheit. Und die Lücke, die er hinterlässt bei seiner Familie, bei seinen Freunden, in der Jazzszene des Nordwestens ist riesengroß. Zuletzt durfte man ihn vor großem Publikum erleben beim umjubelten Auftritt der Northwest Concert Band im Jazzclub Wilhelm 13, der für ihn mehr war als eine musikalische Heimat. Und weil er immer auch Teamspieler war, vom Quartett bis zur Bigband, gab er im Herbst 2021 noch mal alles für den Mannschaftserfolg des Film- und Konzertprojekts „A Night at the W13“.
Anders studierte am Konservatorium in Hilversum (Holland) bei Art Farmer und Ack van Rooyen, später auch bei Bernhard Mergner. Mit seinem Jazz-Quintett „Non-Electrical Association“ (NEA) unternahm er Tourneen durch die USA und Europa und spielte mit bei den Musicals „Hair“ und „Linie 1“. Außerdem war er als Komponist und Arrangeur geschätzt. Er trat mit vielen hervorragenden Musikern auf wie Bill Ramsey, Lew Solof, Wolfgang Schlüter, Ack van Rooyen, Bobby Burgess, Frank Delle, Al-Yasha Anderson, Florian Poser und Romy Camerun. Zudem trat in zahlreichen europäischen Radio- und TV-Produktionen auf und war dauerhaft musikalischer Bestandteil der NWZ-Weihnachtsaktion.
West Coast Jazz war sein Ding, vor allem Chet Baker „in New York“ (sein Lieblingsalbum, und hier „Blue Thoughts“) oder Gerry Mulligans „Carioca“ (spielte er gern im 4tett ohne Piano) und „Takin A Chance On Love“. Vorbilder waren auch Ack van Royen, Bert Joris und natürlich Miles Davis. Regelmäßig anzutreffen war Anders bei Sessions im Club Wilhelm 13: Treffen, Quatschen und Swingen, bis die Uhr Mitternacht schlägt.
Fehlen wird er auch als Mentor und Lehrer, wo er seit 1991 an der Musikschule der Stadt Oldenburg Talenten im Fach Trompete den Weg wies. Die „M-Band“, die Bigband der Musikschule, wurde nicht zuletzt durch Auftritte mit bekannten Künstlern wie zum Beispiel Inga Rumpf beim Kultursommer auf dem Schlossplatz zu einer festen Größe.
„If they act too hip, you know they can’t play shit“ - dieses Zitat von Miles Davis als Lebensmotto findet sich auf der Rückseite der Schallplatte „When lights are low“ des A’dam Quartet feat. Eva Kurowski aus dem Jahr 2018. Sie zeigt den vielseitigen Oldenburger Trompeter von seiner besten Seite. Jörn Anders ist gestorben, aber durch seine Musik und die Aufnahmen lebt er weiter.
