Oldenburg - Die jüngsten Theatergäste Oldenburgs kommen künftig im Kinderwagen zur Vorstellung: Das Theater Wrede will ab dem neuen Jahr sein Angebot für die Kleinsten um eine „Babybühne“ erweitern. Die Performance ist gedacht für Kinder im Alter von frisch geschlüpft bis zu 14 Monaten. „Als eines der ersten Häuser in Deutschland wenden wir uns einer Publikumsgruppe zu, für die Theater bisher noch nicht viele Antworten parat hält“, blickt Marga Koop voraus. Sie leitet das 1985 gegründete Theater gemeinsam mit Winfried Wrede.
Weiche Wände
Koop und Wrede wollen dabei mit der Regisseurin Andrea Bleikamp zusammenarbeiten, die das Theater für Babys in Köln entwickelt habe und auf sehr positive Resonanz gestoßen sei. Die Idee zur Babybühne war ihr vor zwei Jahren gekommen, als sie vergeblich Theaterangebote für ihren damals einjährigen Sohn suchte, erzählt Bleikamp. Sie inszenierte in Köln ein halbstündiges Stück, das die kleinen Zuschauer zum Staunen und Entdecken anregen soll.
Für die Oldenburger Babybühne wird der Theaterraum zur Krabbelgruppe umfunktioniert. Stühle gibt es nicht, stattdessen werden sich Babys mit den Mamas und Papas auf Matratzen und Kissen tummeln und den mit weichen Wänden ausgestatten Raum „erkrabbeln“. 15 bis 20 Babys plus Begleitpersonen sollen bei den Vorstellungen Platz haben, kündigt Magda Koop an.
Andrea Bleikamp wird das Säuglingstheater in Oldenburg selber in Szene setzen, von der Kölner Aufführung sollen nur Teile übernommen werden. Nach den Proben soll es erste „Testläufe“, so Marga Koop, im Mai 2016 geben. „Richtig eingebaut“ werden soll das neue Angebot ab Herbst in den Spielplan.
Herzensangelegenheit
Bleikamp will mit ihrer Idee die „eiserne Regel“, der zufolge Kindertheater erst für Kinder ab vier gemacht wird, brechen. Im Theater Wrede ist sie damit an der richtigen Adresse – im Haus an der Klävemannstraße 16 gibt es seit dem Jahr 2010 die Theaterreihe 2+ für ganz junges Publikum. „Das frühe Heranführen von Kindern an Theater und Kunst ist für uns ein wichtiges Standbein – und eine Herzensangelegenheit“, betont Winfried Wrede. „Mit dem Theater als Live-Vermittlungsort können wir der Virtualisierung, die heute immer früher und umfassender Einzug in die Kinderzimmer hält, die Erfahrung der Sinnlichkeit entgegensetzen.“
Drei experimentelle Produktionen, die das Theater als klingendes Bilderbuch versteht, sind bereits im Spielplan enthalten. „Die Theaterreihe 2+ hat alle unsere Erwartungen übertroffen“, sagt Marga Koop, „mit der Babybühne wollen wir noch einen Schritt weiter gehen.“
