Harpstedt - „50 Jahre Christ-König Harpstedt“ wird am Sonntag, 2. September, gefeiert. Eng verbunden mit der Geschichte der katholischen Kirchengemeinde mit heute gut 900 Gemeindemitgliedern in der Samtgemeinde ist der Name von Pfarrer Antons Smelters, der die Katholiken in Harpstedt über zwei Dekaden von 1970 bis 1990 begleitete und auch noch heute wegen seines engagierten Wirkens „in aller Munde“ ist, wie Monika Schäfers vom Ortsausschuss sagt. Denn: „Er hat ungemein was angeschoben.“
Das gilt gerade für die Jugendarbeit: Smelters war es, der in den 1970ern die Tradition der Jugendfreizeiten in der Kirchengemeinde begründete. Sein „gesetztes Ziel“ war es, so umschrieb es der Seelsorger selbst im Bericht über eine Freizeit, „die Zugehörigkeit der Kinder und Jugendlichen zu der Gemeinde“ zu fördern. Dafür war er Jahr um Jahr mit Jugendlichen unterwegs, wie aus Unterlagen der Christ-König-Gemeinde hervorgeht: ob bei Zelt- und Hüttenlagern vielerorts in der Samtgemeinde oder Fahrten mit älteren Jugendlichen nach Frankreich, Skandinavien und mehr. Auch die Gemeinde holte er mit Feldgottesdiensten in diese Jugendlager.
Pfarrer Smelters war im August 1970 nach dem gesundheits- und altersbedingten Ausscheiden des ersten katholischen Pfarrers Paul Lojak nach Harpstedt gekommen. Der gebürtige Lette, zuvor Kaplan in Diepholz, hinterließ rasch Spuren. Bereits wenige Wochen nach Amtseinführung wurde auf seinen Anstoß der Altarraum umgestaltet, sein Mühen ließ die Gemeinde aus Flüchtlingsfamilien und Zugezogenen weiter zusammenwachsen, und auch nach außen bewies er „ziemliches Verhandlungsgeschick für seine Kirche“, so Schäfers. „Er hat hier gerne gewirkt.“ Zugleich blieb er aber auch Seelsorger für die in Deutschland lebenden lettisch sprechenden Katholiken. Alois Wittwer begleitete ihn ab und zu aus Harpstedt etwa nach Mönchengladbach, wo Smelters insbesondere für ältere Letten die heilige Messe las.
Nach dem Ausscheiden aus dem Kirchendienst 1990 zog es Smelters wieder in seine lettische Heimat, die er nach Krieg und Gefangenschaft hatte verlassen müssen. „Sein großer Wunsch war, auch dort etwas für die Jugend zu tun“, so Schäfers. Smelters rief eine Armenküche ins Leben, engagierte sich für ein Waisenhaus in Riga, unterstützte Jugendliche. Die Harpstedter Gläubigen verfolgten und unterstützten dieses Engagement – und das über seinen Tod 2010 hinaus: So geht der Erlös aus Kuchenverkauf und Versteigerung bei der Adventsfeier an die Lettlandhilfe, und auch im Gemeindeverbund lassen Radtouren unterm Motto „Solidarität in Fahrt“ die Brücke nach Lettland fortbestehen.
Dem Gemeindeverbund mit Twistringen, Bassum und Marhorst gehört Christ-König seit 2000 an – seit Anfang 2011 mit gemeinsamer Pfarrei St. Anna. Mit dem Gemeindeverbund kam auch Monsignore Reinhard Molitor als zuständiger Pfarrer in die Gemeinde, nachdem Harpstedt bis 1996 von Pastor Olliges mitversorgt und anschließend vier Jahre von Pastor Clemens Schwenen betreut worden war. Durch den Gemeindeverbund, sagt Schäfers, seien die Gemeinden aneinandergerückt: „Wir sind offener untereinander geworden, es haben sich Gemeinsamkeiten gefunden“ – von gemeinsam gestalteter Osternacht über Freizeiten bis Kommunionsunterricht. Auch mit der gemeinsamen Pfarrei seien Eigenverantwortlichkeit und Mitspracherecht der Gemeinden geblieben: Das Gemeindeleben im Gemeindeverbund „funktioniert“.
