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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Jugend: Trommeln für die Hochkultur

03.03.2014

Oldenburger Land „Fack ju Göhte“ ist im Kino eine Komödie. „Troll dich, Mozart“ wäre in der klassischen Musik ein Trauerspiel. Man muss sich dazu nur von der aktuellen Forsa-Umfrage der Hamburger Körber-Stiftung ausreichend erschrecken lassen. Junge Menschen schlagen demnach um klassische Konzerte einen Bogen. Bleibt das traditionell ältere Publikum ohne Verjüngungskur? Stirbt es gar aus? Gemach!

Jeder fünfte Deutsche ist 2013 wenigstens einmal in ein Klassikkonzert gegangen. Bei den 18- bis 29-Jährigen war es nur jeder Zehnte. Zu wenig Zeit, zu hohe Kosten, zu wenig Interesse, zu elitär das Umfeld, so lauten einige Gründe. Kai-Michael Hartig von der Körber-Stiftung fordert daher: „Moderne Konzerthäuser müssen Ideen entwickeln, wie sie mehr Interesse wecken können.”

Günstiger als Kino

„Einspruch!“ sagt Ulrike von Hagen von der Presseabteilung des Oldenburgischen Staatstheaters. „Es gibt allenthalben innovative Angebote.“ Die Theaterpädagogik stockt sogar ihr Personal auf. Das Staatsorchester ist mit dem Programm „Kinder im Orchester“ bei den Schulen dick im Geschäft. „Und was heißt teuer?“ fragt die Musikexpertin. „Bei uns kommen junge Leute günstiger ins Konzert als ins Kino.“

„Einspruch“, sagt auch Uwe Wegert, der Leiter der Musikschule Ammerland. Das Umfeld schrecke niemanden: „Junge Menschen haben heute keine Probleme mit Kleidung, anders als wir in alten Parka-Zeiten. Die gehen leger oder festlich, wie es ihnen gefällt.“ Entscheidend sei vielmehr, sie schon als Kinder zum aktiven Musikmachen anzuregen.

„Einspruch“, sagt auch Heinz Gassenmeier, der stellvertretende Oldenburger Musikschulleiter. Zur Musik gebe es „heute so viele offene Türen wie selten zuvor“ – doch zum eigenen Musizieren auch „keine wirkliche Alternative“. Gassenmeier: „Selbst machen, da kriegt man diesen unwiderstehlichen Drive.“

Nur solle man keine Etiketten aufkleben: „Dieses Gerede von Hochkultur, Beethoven steht über Abba, das geht voll an den Jugendlichen vorbei. Was der Verfeinerung ihrer Sinne dient, das bekommen sie selbst heraus.“ Da müsse man sich auch nicht mit verpoppter Klassik anbiedern.

Gassenmeier schwärmt vom Projekt „Zukunftslabor“ der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen: „Da probt ein Orchester von Weltrang in einer Gesamtschule in einem Problem-Stadtteil voller Hochhäuser, Hartz-IV-Familien und Migranten aus 90 Ländern.“ Er begeistert er sich: „Die entdecken und machen gemeinsam Musik, und die Schüler und Eltern schwören auf ihr Orchester.“

Kultur der Muße

Doch warum zieht es trotzdem in jungen und mittleren Jahren weniger Menschen in klassische Konzerte als im betagteren Alter? Musikschulleiter Wegert argumentiert, dass im intensiven Berufs- und Familienleben erst einmal die Zeit knapper und der Lebensstress höher ist. Beruhigt sich das in der zweiten Lebenshälfte, finden viele zu ihren Wurzeln zurück. „Das braucht eine Kultur der Muße“, meint Wegert. Wachsamkeit ist dennoch gefragt. „Die Kommunikationsform Konzert hat Konkurrenz“, merkt Gassenmeier an. „An jedem Ort, zu jeder Zeit kann ich jede Art von Musik in jeder Interpretation abrufen.“

Da sieht er die konservative Konzertform mit Ouvertüre, Solokonzert und nach der Pause einer Sinfonie nicht mehr als gegeben an: „Hingehen, hinsetzen, hinhören – so richtig cool ist das nicht mehr.“

88 Prozent der Deutschen halten laut Umfrage „klassische Musik für ein wichtiges kulturelles Erbe“. Die junge und mittlere Generation ist also wohl doch nicht dafür verloren. Sie ist nur mal eben weg.

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