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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Jugendstück zum Aufraffen

15.11.2013

Oldenburg Elvira, 16 Jahre alt, seit zehn Jahren wohnhaft in Hannover, Schülerin, schlecht in Mathe, verliebt in ihren Mitschüler Bruno, Roma-Mädchen. Kurz vor der Mathearbeit mitten in der Nacht ins Flugzeug verfrachtet, ausgeflogen nach Pristina, Kosovo. „Wir machen die Gesetze nicht. Wir wenden sie nur an. Da ist man machtlos“, sagt eine Sachbearbeiterin der Ausländerbehörde, die nur eines bestimmt weiß: „Man kann das Kosovo sagen, der Kosovo oder einfach Kosovo. Das habe ich nachgelesen.“

In „Deportation Cast“, das jetzt in der Exerzierhalle des Oldenburgischen Staatstheaters Premiere feierte, kommen noch andere Beteiligte im Abschiebesystem zu Wort. Eine Beobachterin, eine Lehrerin, ein Arzt: „Jeder spielt hier nur seine Rolle. So gut er kann“, sagen sie.

Der Arzt zum Beispiel hat Elviras Bruder Egzon auf dem Flug ruhig gestellt. Damals im Kosovo, als Egzon vier Jahre alt war, hat man sein Haus in Brand gesteckt. Die Misshandlungen hat der Junge zwar überlebt, aber schwere, posttraumatische Störungen sind geblieben.

All dies wird den Zuschauern in einem schnellen Rollenspiel erzählt, mit nüchternen Fakten, von Autor Björn Bicker (41) gut recherchiert. Im vorigen Jahr erhielt „Deportation Cast“ den Deutschen Jugendtheaterpreis.

Die vier Schauspieler Kristina Gorjanowa, Denis Larisch, Caroline Nagel und Thomas Birklein spielen „jeder drei Rollen und sich selbst“, heißt es zu Beginn des Stückes. Schnelle Wechsel und viel Text sind für das brillant agierende Ensemble harte, erschöpfende Arbeit. Da gibt es kein Anlehnen an irgendwelche Requisiten auf der Bühne, nur ein paar blaue Plastikstuhl-Reihen einer Durchgangshalle.

Auch den Zuschauern fordert das fast zweistündige Stück einiges ab. Es kann sich der Realität gängiger Abschiebepraxis von Roma-Familien nicht entziehen. Das ist gut.

Bleibt einzig der Zweifel, ob Regisseurin Brit Bartkowiak es den Zuschauern hätte leichter machen können, in die Handlung hineinzukommen. So wird erst nach und nach klar, wer hier gerade wen spielt. Aber vielleicht fordert der anfängliche Nebel auch bewusst das Publikum auf, sich gedanklich aufzuraffen, statt sich gemütlich zurückzulehnen. Es lohnt sich.

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