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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Beziehungsprobleme – in witzigen 50 Minuten

03.06.2016

Oldenburg Es gibt Opern, die sind fast fünf Stunden lang und fordern herrisch dazu auf, sich an der metaphysischen Sinn- und Gottsuche des Komponisten zu beteiligen, so wie Richard Wagners „Tristan und Isolde“. Und dann gibt es Opern, die verhandeln charmant und witzig in 50 Minuten unsere üblichen Beziehungsprobleme, so wie Eugen d’Alberts „Abreise“ von 1898.

Das musikalische Lustspiel in einem Akt mit dem Libretto von Ferdinand von Sporck nach der Dichtung von August von Steigentesch bot sich in Oldenburg an, weil die drei Protagonisten Gilfen, seine Frau Luise und sein Freund Trott ziemlich ideal mit den drei jungen Stimmen von Aarne Pelkonen, Anna Avakian und Alexander Murashov besetzt werden können. Die Partien wurden vom Komponisten für die entsprechende Stimmlage eher jugendlich-hoch angesetzt, was besonders beim runden, virilen Bariton von Aarne Pelkonen ins Gewicht fällt, der aber auch in ungewohnten Höhen stimmlich zu überzeugen wusste.

Schon vor Beginn der Musik, hier das fantastische Klavier von Elias Corrinth, das in seiner orchestralen Dichte und Breite schnell das Orchester vergessen macht, geschieht Entscheidendes: Luise, so will uns diese Inszenierung von Valérie Junker glauben machen, erfreut sich beim Seitensprung mit Trott, dem Freund ihres Mannes. Später zeigt sie Gilfen den positiven Schwangerschaftstest, der wundert sich, Trott kommt hinzu und gratuliert.

Das spielt sich vor Einsetzen der Musik im Großen Haus ab, das mit Leiter, Drehtür, Klavier, einem überhöhten Tisch, zwei überhöhten Stühlen, zwei Gläsern, einer Weinflasche und einem Leuchtglobus spärlich, aber sehr genau möbliert ist. Es verleiht dem Heiteren und vielfach Vordergründigen eine gewisse Schärfe.

Gilfen will abreisen, sich eine Auszeit gönnen. Luise will ihn bei sich haben, Trott übernimmt alle noch so anstrengenden Aufgaben als guter Freund, um ihn endlich loszuwerden. Das ist witzig, das bietet viel Situationskomik, das ist verschlagen, und der geneigte Zuhörer freut sich, weil er ja Bescheid weiß.

Jetzt zahlt sich aus, dass junge Sänger junge Menschen spielen. Nicht nur die fantastischen Stimmen transportieren den Herzensaufruhr junger Erwachsener, auch Gestik, Mimik und Bewegungen wirken ungekünstelt und authentisch. Gilfen ist etwas konventionell, leicht spießig, Luise ein flatterhaftes, aber letztlich doch liebendes Energiebündel, und Trott ist mit leuchtender, aber nicht ganz textverständlicher Stimme der coole Windhund in Jeans und Lederjacke.

Am Schluss haben alle alle betrogen, aber nicht Ehemann Gilfen, sondern der Oberbetrüger Trott muss abreisen. Und die Moral von der Geschicht’: Trau selbst Deinem besten Freunde nicht, wenn Du so ein Schmuckstück wie Luise daheim hast.

Verdienter, langanhaltender Beifall für alle Beteiligten dieser frischen, melodiösen, durch und durch vergnüglichen Kurzoper.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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