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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Christian Ehring Kommt Nach Oldenburg: Kabarett vom Rand der Komfortzone

22.01.2016

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Frage: Ihr Programm heißt „Keine weiteren Fragen“. Machen Sie für dieses Interview eine Ausnahme?

Ehring: Ja, natürlich. Mein Programm heißt so, weil es um die unbequemen Fragen geht, die man sich nicht so gern stellt.

Frage: Welche zum Beispiel?

Ehring: Wenn man die Probleme der Welt richtig beleuchtet, merkt man, wie komplex vieles ist, sodass man es am liebsten verdrängen würde. Das erlebe ich bei mir auch. Ganz konkret geht es in meinem Programm um das Thema Flüchtlinge. Der Abend kreist um die Frage: Würdest du einen Flüchtling zu Hause aufnehmen oder nicht?

Frage: Und würden Sie?

Ehring: Nun, ich erzähle das auf der Bühne als Geschichte. Mit einigen Wendungen, die ich hier nicht verraten will. Ich bewundere die Leute, die sich für Flüchtlinge engagieren. Mein Bühnen-Ego artikuliert aber auch weniger sympathische Gedanken und ist hin- und hergerissen zwischen linksalternativer Überzeugung auf der einen Seite und Ängsten und Egoismen auf der anderen.

Frage: Warum ist das Thema kabarettreif?

Ehring: Es ist das Thema, das zurzeit am kontroversesten diskutiert wird. Nicht nur in den Medien, auch im Freundeskreis, in der Familie. Kabarettreifer geht es gar nicht. Es gibt natürlich Leute, die sagen, darüber kann man keine Witze machen. So was spornt mich aber eher an. Ich mache mich ja nicht über Menschen auf der Flucht oder Opfer des Terrors lustig.

Frage: Nach den Übergriffen von Köln schlägt die Stunde der Wutbürger, die mit Pfefferspray ausgerüstet, Bürgerwehren gründen. Eine Steilvorlage für Satiriker?

Ehring: Das ist schon erstaunlich, wer sich jetzt alles für Frauenrechte starkmacht. Wenn man unsere Zivilisation verteidigen will, sollte man vielleicht versuchen, sich zivilisiert zu verhalten. Das wirkt überzeugender.

Frage: Nötigt Ihnen die Haltung von Kanzlerin Merkel Respekt ab?

Ehring: Wenn man sonst auf ihr herumhackt, muss man sie, bei Bedarf, auch mal loben. Vor allem erkenne ich bei ihren Gegnern noch viel weniger ein Konzept. Außer das eine: Ich will unbedingt die nächste Landtagswahl gewinnen.

Frage: Ihr Programm bezeichnen Sie als „Lagebericht aus dem Komfortzonenrandgebiet“. Kennen Sie sich dort besonders gut aus?

Ehring: Ja, schon, ich lebe in Deutschland und leide keine Not. Im Moment prallen doch Welten aufeinander. Gewöhnlich bereisen wir ferne Länder, nehmen dort auch mal ein Elendsviertel zur Kenntnis und reisen wieder ab. Jetzt kommen Menschen zu uns, die vor dieser Not fliehen und nur diese eine Chance haben. Denen können wir nicht ausweichen. Das fordert uns in unserer Komfortzone zwischen Smoothies, Selbstverwirklichung und Yogakurs.

Frage: Wozu wird das führen?

Ehring: Gerade die persönlichen Kontakte können für unsere Gesellschaft eine Chance sein. Die sind wohl das beste Mittel gegen unterschwellige Angst oder Rassismus. Aber ich bin realistisch: Es kann auch alles noch mehr eskalieren. Manchmal bin ich froh, wenn ich zwischen zwei Auftritten ein wenig Zeit habe, um meine Texte in Ruhe zu aktualisieren.

Frage: In der TV-Sendung „Extra 3“ präsentieren Sie wöchentlich die Rubrik „Der reale Irrsinn“. Liefert die Realsatire deutscher Behörden immer noch die besten Pointen?

Ehring: Wenn es die besten Pointen wären, müsste ich mich selbst ja doch sehr infrage stellen. Aber ich gebe zu: Ich bin immer wieder beeindruckt, was unsere Autoren da ausgraben.

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