Bad Zwischenahn - Fotokünstler Gernot Nentwig benutzt die Kamera, um mit Licht zu malen, wie er selbst sagt. In seiner Ausstellung „Farbgrenzen“ in der Galerie des Vereins der Kunstfreunde zeigt er nicht alltägliche Foto-Kunst, die ins Auge fällt.
Zu sehen sind künstlerisch gestaltete Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Verfremdet durch Farbreduzierung, zeichnen sich die Fotos durch starke Abstraktion der Wirklichkeit aus. So zeigen vier Arbeiten der Serie „Magic Forest“, die im Wittmunder Wald entstanden ist, Ansichten, bei denen alle anderen Farben bis auf Grün herausgefiltert wurden. Übrig blieben grauwertige Naturausschnitte mit jeweils einem grünen Bildelement wie Farn, Moos oder grüne Buchenzweige, die sich dem Betrachter entgegenstrecken.
Durch diese Art der Farbreduzierung entsteht eine überraschende Plastizität; die farbigen Bildelemente scheinen hervorzuspringen und den Betrachter wie magisch in den Bann zu ziehen. Eine andere Arbeit zeigt eine alte Scheune in Schwarz-Weiß mit blauem Tor, deren morbide Vergänglichkeit überdeutlich wird. Die Bilder Nentwigs haben starken Symbolcharakter. Auf einem Werk mit dem Titel „Hope“ ist eine düstere, bedrohliche Wolkenformation zu sehen, die an einer Stelle aufreißt und ein Stück blauen Himmel als Symbol der Hoffnung sichtbar werden lässt. Mit fotografischen Mitteln schafft er neue, überraschende Perspektiven.
Dabei benutzt er zwei verschiedene Methoden; zum einen den Computer, um Bilder zu bearbeiten, und zum anderen die konventionelle Methode durch Auswahl von Kamera, Objektiv und Filtervorsatz. „Ich betone durch die Farbe die Bildaussage, indem ich gemeinte Bildteile farbig heraushebe nach der Formel: Sein und Verfremdung = neue Wirklichkeit“, fasst er seine Arbeitsweise zusammen.
Das war für den Wiesbadener Journalisten und Fotografen nicht immer so. Berufsbedingt ging es ihm zunächst um die objektive Darstellung der Wirklichkeit als Dokument des Augenblicks. Seit 2008 veränderte er stetig seinen Stil in Richtung experimentelle künstlerische Fotografie. Heute fotografiert er alles, was ihn interessiert und inspiriert und drückt seinen Fotos seinen ureigenen Stempel auf, immer auf der Suche nach neuen Sichtweisen. Gernot Nentwig hat als Fotograf und Journalist bei zahlreichen Printmedien wie „Welt“, „Zeit“ oder dem „Canada Journal“ im In-und Ausland Berufserfahrung gesammelt.
Er ist Mitglied in der Künstlervereinigung Ostfriesischer Kunstkreis und lebt seit 2011 in Bad Zwischenahn. Hier präsentierte er seine Arbeiten im August auf der „ZwischenArt“, ebenfalls auf der Zwischenahner Woche und ist nun mit einer Einzelausstellung im Verein der Kunstfreunde bis Ende Dezember zu sehen. Der Erlös der verkauften Bilder kommt dem Tierschutz zugute.
Die Ausstellung „Farbgrenzen“ von Gernot Nentwig ist im Verein der Kunstfreunde, Bad Zwischenahn, Bahnhofstraße 7, zu sehen. Geöffnet ist sie montags bis freitags von 10 bis 17.30 Uhr.
