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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kampf um gute Schulnoten

08.11.2016

Oldenburg Gerichte müssen heute über Klagen von Eltern verhandeln, die mit den Schulnoten ihrer Kinder nicht einverstanden sind. Das Stück „Frau Müller muss weg“ von Lutz Hübner ist somit hochaktuell. Sönke Wortmann hat es 2015 mit Anke Engelke in der Hauptrolle erfolgreich verfilmt.

Die niederdeutsche Fassung von Markus Weise feierte am Sonntag im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters Premiere. 80 pausenlose Minuten bot das Ensemble der August-Hinrichs-Bühne unter der Regie von Michael Uhl ganz großes Kino.

Die Eltern der Klasse 4b sind in Sorge. Die Noten der Kinder sind schlecht, dabei geht es beim nächsten Zeugnis um die Zulassung zum Gymnasium. Die Zukunft der Kinder steht auf dem Spiel. „Ich hab mehr Angst vorm Zeugnis als meine Tochter“, bekennt Wolf Hellberg (Jürgen Müller), Vater von Janine.

Für die Eltern, die sich zwischen riesengroßen Kastanienfiguren und Laternen (Bühne Britta Langanke) zum Elternabend eingefunden haben, steht fest: Frau Müller ist schuld. Elternsprecherin Jessica Haubold (Petra Bohlen) lässt kein gutes Haar an der Pädagogin.

Die Vorwürfe treffen Sabine Müller (Kristina Trey) unvermittelt, sie ist geschockt und macht ihrem Ärger Luft über die Gören. Da ist zum Beispiel Lukas, der verhaltensgestörte Klassenkasper, dessen Mutter (Marion Horst) glaubt, ihr Junge sei hochbegabt. Oder Laura, Tochter der Elternsprecherin: Die Neunjährige fälscht Entschuldigungsschreiben.

Janine steht unter dem Leistungsdruck ihres Vaters und droht daran zu zerbrechen. Fritz, Sohn von Katja Gerke (Melanie Lampe), ist der Klassenbeste und trotzdem ein Problem. Zweimal hat er sich schon mit Lukas geprügelt. Dessen Vater Patrick (Alf Hauken) sieht das gelassen: Früher hat Lukas auch gebissen.

Wutentbrannt verlässt Sabine Müller den Elternabend. Allein zurück bleiben Katja und Wolf. Sie hatten mal eine Affäre, die sie beendet hat. Er umgarnt sie weiter unverdrossen. Es folgt eine grandiose Szene, in der Jürgen Müller Helene Fischers Hit „Atemlos durch die Nacht“ anstimmt. Die Zuschauer sind begeistert.

Ein Blick in das Heft mit den Schulnoten der Kinder, das Frau Müller zurückgelassen hat, bringt die Kehrtwende. Die Noten sind ja gar nicht so schlecht.

Man ist sich schnell einig: Frau Müller muss bleiben. Moralische Bedenken werden über Bord geworfen. Wenn es sein muss auch handgreiflich. Die Prügelszene hat was von einer Schreitherapie, musikalisch untermalt vom Kinder- und Jugendchor „Klanghelden“.

Zum Abschluss gibt es dann den Rolling-Stones-Titel „You can’t always get what you want“. Nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung. Der Theaterabend indes ließ keine Wünsche offen.


Alle NWZ -Kritiken unter:   www.nwzonline.de/premieren 
Lore Timme-Hänsel
Redakteurin
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2065

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