Cloppenburg - Die Holzplatten auf der „Miniramp“ sind rissig und teilweise aufgequollen, die Metallauffahrten zur Funbox haben sich vom Boden gelöst: Der Skaterpark am ZOB Pingel Anton befindet sich in einem desolaten Zustand, obwohl die Stadtverwaltung den zahlreichen Skatern, BMX-Fahrern und Parkour-Sportlern versprochen hat, die Anlage solange betriebsbereit zu halten, bis der geplante Umzug ins Stadion vollzogen ist (NWZ berichtete).
Es sei kaum zu glauben, dass der Gemeinde-Unfall-Verband (GUV) noch im März die Anlage als betriebsfähig eingestuft habe, sagt Sandra Heiden, Vorsitzende des „Vereins für Kinder und Jugendliche“ Cloppenburg am Montagnachmittag bei einem Ortstermin. „Ich habe einem TÜV-Prüfer Bilder unserer Anlage geschickt. Er würde sie sofort stilllegen.“
Heiden ist eine Art Mutter der Kompanie, die die Interessen der unorganisierten Skater und BMX-Fahrer wahrnimmt. Immer wieder ruft sie deshalb bei der Stadt an, um klarzumachen, dass eine GUV-Abnahme kein Zertifikat für Sicherheit ist.
Immerhin schauen an diesem Montag zwei Bauhof-Mitarbeiter vorbei und schrauben – so gut es geht – die Metallauffahrten wieder fest. Die „Miniramp“ können sie nicht reparieren, da die dazu notwendigen hochwertigen Holzplatten zunächst bestellt werden müssen. „Sobald sie geliefert worden sind, werden die bisherigen Platten ausgetauscht“, verspricht der städtische Pressesprecher Klaus Niemann am Dienstag.
Bis es soweit ist, hat derjenige, der unfreiwillig von seinem Skateboard oder seinem BMX-Rad absteigt, die Hände voller Splitter. Soviel ist sicher.
Dennoch – glaubt die Stadt – habe sie die Sicherheit der Kinder und Jugendlichen sehr wohl im Blick. „Die fachlich geschulten Mitarbeiter des Bauhofes der Stadt Cloppenburg überprüfen in einem Abstand von vier bis sechs Wochen einhergehend mit anderen Anlagenprüfungen sämtliche Gerätschaften der Skateranlage. Die nächste Überprüfung in dieser Form ist für die kommende Woche terminiert“, so Niemann. Zusätzlich führten die Mitarbeiter des Bauhofes wöchentliche Sichtkontrollen durch. Gefahrenstellen würden sofort behoben. Diese Verfahrensweise werde auch weiterhin beibehalten, um die Sicherheit der Anlage zu gewährleisten.
Den Parkourläufern, eine Abteilung des TV Cloppenburg, hilft das wohl wenig. Bei dem Versuch, Hindernisse durch Kombination verschiedener Bewegungen so effizient wie möglich zu überwinden, werden auch die Hände eingesetzt. Folgen auf der Skaterbahn: rissige Hände.
„Wir haben inzwischen mehr als 60 Mitglieder. Die Holzkonstruktion in Cloppenburg ist eine der letzten antiken Skaterplätze in ganz Deutschland“, flüchtet sich Abteilungsleiter Denni Bozinovic (28) in Ironie. Standard seien Lösungen aus Beton. Egal ob Lohne, Diepholz oder Ostrhauderfehn: Überall in der Umgebung gebe es viel bessere Skaterplätze.
Mittlerweile völlig desillusioniert ist auch der Cloppenburger Skatboard-Fahrer Sven Loginov (18). Immer und immer wieder lösen sich die Schrauben der Metallauffahrten aus dem Asphalt, danach ist es fast unmöglich, mit dem Rollbrett auf die Rampe zu fahren, ohne zu stürzen.
BMX-Fahrer Dennis Mildslaff (Cloppenburg) hat ganz andere Sorgen. „Viele sind inzwischen nicht mehr hier, weil es ständig einen Platten gibt“, berichtet der 18-Jährige. Denn nach Feierabend wird der Skaterpark auch von Personen genutzt, die mit Sport nichts am Hut haben. Und diese hinterlassen nicht nur Scherben, sondern auch die eine oder andere Urinwolke.
Eigentlich wollte Sandra Heiden in den nächsten Wochen Skaterkurse für die Kinder der Roten Schule auf der Anlage anbieten. Doch inzwischen findet sie das gewagt. „Ich bin drauf und dran, das Vorhaben abzusagen“, erklärte sie.
