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NWZonline.de Nachrichten Kultur

THEATER: Karls Königswürde endet im Eimer mit roter Farbe

27.03.2006

WILHELMSHAVEN WILHELMSHAVEN - „Und es droht der nächste Tag des frommen Fürsten Hals mit dem verfluchten Schlag, der Krone, Zepter, Reich und Throne wird zersplittern, und die erschreckte Welt durch diesen Fall erschüttern“, deklamiert Lady Fairfex mit der großen Geste der antiken Lamentatrix – des Klageweibes – zu Beginn von Andreas Gryphius’ Königs-Tragödie „Ermordete Majestät oder Carolus Stuardus, König von Groß Britanien“. Allein die Erschütterung der Welt hielt sich in Grenzen bei der Premiere der Landesbühnen-Produktion im Wilhelmshavener Stadttheater.

Gespannt und aufmerksam verfolgte das Publikum die letzte Nacht von König Karl Stuart (Oliver Hildebrandt), der im Unterhemd in einem Ledersessel auf der Bühne Platz genommen hatte. Wild pochte sein Herz im Hintergrund, bis ihm ein Eimer roter Farbe über den Kopf gegossen wurde und Oliver Cromwell (Thomas Schweins) den Sessel besetzte.

In ausgedehnten Dialogen, im Wehgesang des Sirenen-Chores hinter einer Wasserwand aus rot beleuchteten Tropfen wurde das Für und Wider der Hinrichtung des Tyrannen erwidert.

Lady Fairfex (Imke Trommler) verführte ihren Gatten, um Karls Hals zu retten. Doch Sir Fairfex (Marco Stickel) war nicht Manns genug, den Plan auch umzusetzen. Selbst der Geist von Maria Stuart (Katrin Hilti) erschien als seltsames Tüllwesen, um die Rächer des Nachfahren anzuklagen.

Regisseur Reinhardt Friese hatte wahrlich einiges aufgeboten, den spröden langatmigen Text lebendig zu gestalten.

Echte Spannung wollte dennoch nur an zwei Stellen im Stück aufkommen. In einem großartigen Dialog erörtern Cromwell und Fairfex Für und Wider des Königsmordes. Die Moral von Rache und Vergebung, Ehre und Gewissen, Staatsräson und Menschlichkeit wird dabei eindrucksvoll dekliniert.

In einer Verteidigungsrede gegen Ende gibt sich der ansonsten schweigsame Karl als verbitterter, selbstgerechter Verlierer. „Habt ihr zum Fürsten mich und König nicht gekrönt?“, fragt er, und es könnte auch ein Saddam Hussein oder ein Hitler sein, der seine Rolle vom Täter zum Opfer verklärt.

Ansonsten weckt das Geschehen seltsam wenig Betroffenheit. Was soll’s, fragt man sich ständig. Den König als Bauernopfer blutiger Bürgerkriege zu verklären, erscheint in einer demokratischen Gesellschaft kaum noch nachvollziehbar. Zumal nicht klar wird, ob Karl wirklich Unrecht geschieht. Und die von Gryphius tief beklagte Rebellion gegen göttliche Ordnung ist in der säkularen Welt nichts weiter als eine historische Fußnote.

Karten: Tel. 04421/94 01 14

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