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Kulturetage: Kartoffel statt Eintrittskarte

20.03.2014

Oldenburg Die Zeit war sicher eine andere, die Idee ist durchaus zeitlos: 1987 erhielten die Zuschauer in der Oldenburger Kulturetage für die Produktion „Ehe alles Legende wird“ keine Eintrittskarte, sondern bekamen an der Kasse eine Kartoffel in die Hand gedrückt.

So war das damals. Als die Kulturetage noch in erster Linie ein Haus für freies Theater war, jeder Teil der Trilogie über die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland vom Ensemble recherchiert, kreiert und improvisiert wurde, in einem langen, auch schon mal anderthalb Jahre dauernden Arbeitsprozess unter der Regie des Argentiniers Norberto Presta, der als Einziger eine traditionelle Schauspielausbildung genossen hatte. „Und dann fand man oft keinen Schluss“, erinnert sich Frank Mrozek, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. Vor lauter Ideen fehlte der Sinn für Dramaturgie. So war das damals.

Heute gibt es eine große Halle mit 450 Plätzen für Musik- und Kabarett-Gastspiele, viele soziokulturelle Projekte, das „cine k“ für Kinofilme und das „theater k“ für 70 bis 80 Zuschauer, das mehrere Phasen erlebt hat und nun, nach dem Weggang des langjährigen Leiters Mark Spitzauer und des Schauspielers Markus Weiß im vergangenen Jahr, erneut eine Umbruchzeit erlebt. Wie so häufig in seiner Geschichte.

Und wie so häufig ist Schauspieler Uwe Bergeest, der von Anfang an dabei ist, keineswegs besorgt. Zwar ist das „feste“ Ensemble geschrumpft, besteht nur noch aus ihm, Franziska Vondrlik und – zeitweise – aus Ulf Goerges, gibt es auch keinen Leiter mehr, doch fehlt es wieder nicht an Ideen. Auf den Vorgaben von Spitzauer aufbauend – „er war der Erste, der uns einen richtigen Spielplan verordnet hat“ – machen sie aus der Not eine Tugend. Sie sind mit drei Solos gestartet: Franziska Vondrlik mit einem Hildegard-Knef-Abend, Goerges mit dem Stück „Allein in der Sauna“, das als einzige der drei Produktionen erst am 26. April Premiere hat, und Ber­geest mit „Novecento“, der Geschichte des Ozeanpianisten, die am 4., 5. und 6. sowie am 11., 12. und 13. April noch im „piccolo teatro“ Bremerhaven zu sehen sein wird.

Dort findet sich womöglich auch ein Weg aus der „Krise“, die Bergeest eigentlich gar nicht sieht: Neben dem Austausch kann er sich auch gemeinsame Produktionen vorstellen, denn das kleine Theater an der Küste verfügt über einen Pool von Schauspielern. Um ein geplantes Drei- bis Vier-Personen-Stück im Herbst auf die Bühne bringen zu können, sucht das „theater k“ noch Mitspieler, vor allem jüngere. Wie sich alles entwickeln wird, werde man sehen, sagt der Schauspieler. Macht nichts. Die Zeit sei gut, um Dinge auszuprobieren.

Muss ja keine Kartoffel sein.


Die Solos sind auch beim Kultursommer und im Herbst zu sehen   www.kulturetage.de 
Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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