Oldenburg - Wer ist eigentlich beim „Banden!“-Festival auf die Idee gekommen, vor der Exerzierhalle eine mobile Sauna aufzustellen? Marc-Oliver Krampe ist sich da nicht mehr so sicher. Der Leitende Dramaturg der Schauspiel-Sparte am Oldenburgischen Staatstheater kommt angesichts dieser Frage ziemlich ins Schwitzen. Vielleicht sind es aber auch die 90 Grad Celsius in ebendieser Sauna, die dem 46-Jährigen zu schaffen machen.
„Das war wohl tatsächlich meine Idee“, sagt Krampe nach kurzer Bedenkzeit. Offiziell wird die Sauna als Wellness-Programm für die Besucher des Theaterfestivals angepriesen. Allerdings mit Hintergedanken. „Nicht nur Schauspieler tragen Kostüme, auch klassische Theatergänger machen sich extra schick für ihren Besuch“, erklärt der Dramaturg. Mit der Sauna könne man die Besucher vielleicht auf angenehme Art überlisten, diese Verkleidung wenigstens einmal abzulegen. Die Zuschauer sollen so für einen kurzen Moment ihre Komfortzone verlassen können.
Egal ob Zuschauer oder Schauspieler: Beim „Banden!“-Festival, das seit Donnerstag in Oldenburg seine Premiere feiert, gibt es genug Möglichkeiten, die eigene Komfortzone zu verlassen. Denn was in den zahlreichen Festival-Stücken auf und abseits der Staatstheater-Bühnen passiert, ist für Oldenburgs Theatergänger Neuland und vielleicht auch auf den ersten Blick angsteinflößend.
MULTIMEDIA-REPORTAGE: „Frosch in Not“ auf dem „Banden!“-Festival
Beim „Banden!“-Festival wird die unsichtbare Wand, die Zuschauerraum und Bühne trennen, eingerissen. Teilweise mit recht brachialen Mitteln. Publikum und Performer sollen miteinander agieren. Und das kann schon mal bedeuten, dass sich ein Schauspieler im Sadomaso-Outfit an Zuschauern in der ersten Reihe den Körper reibt oder sich ein Performer auf der Bühne erbricht.
„Es geht uns dabei nicht um Provokation“, sagt Krampe dazu bestimmt. Diese extremen Darstellungsformen seien kein Selbstzweck, sondern wichtiger Bestandteil der künstlerischen Performance. „Für reine Provokation ist mir meine Zeit zu schade.“
Das beste Beispiel sei das preisgekrönte Stück „Ibsen: Gespenster“ vom Theater-Kollektiv Markus & Markus. Hier begleiten die Zuschauer via Videowand einen todkranken Mann zur Sterbehilfe in die Schweiz. „Das Publikum ist bis zum letzten Atemzug dabei“, sagt Krampe. „Kein einfaches Stück, aber eines, das den Zuschauer nachhaltig verändert.“
Auch für Marc-Oliver Krampe ist das Festival ein Wagnis. Knapp zwei Jahre lang hat er auf „Banden!“ hingearbeitet. Er ist durch Deutschlands Theaterszene getourt, um Stücke zu sichten, und hat mit Studierenden aus Hildesheim und Bremen am Konzept gearbeitet. Das Staatstheater-Ensemble bekam vom Dramaturgen alle Freiheiten und übernahm quasi seinen Job. „Die Schauspieler haben ihre Stücke selbst erarbeitet und auch die Texte geschrieben“, sagt Krampe. Da musste auch er erst einmal seine Komfortzone verlassen.
