Barßel/Saterland - Überall wird in den katholischen Kirchengemeinden am 11. November der Martinstag gefeiert. So auch in St. Jakobus Saterland und St. Ansgar Barßel. Vielerorts finden am oder um den 11. November Laternenumzüge statt. Doch wieso gibt es eigentlich diese Umzüge?
Dies habe mit Martin von Tours, einem der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche, zu tun, sagt Pfarrer Ludger Fischer von der Kirchengemeinde St. Jakobus, und einer Legende. Und zwar der, dass er als Soldat in einem harten Winter seinen Soldatenmantel mit seinem Schwert in zwei Hälften schnitt und diesen am Stadttor von Amiens mit einem nackten Armen teilte. „Die Legende teilt etwas Gutes mit, den Blick für Arme zu haben“, sagt Fischer. Diese Geschichte habe auch von Tours’ Werdegang beeinflusst. So schlug er eine kirchliche Laufbahn ein und wurde später Bischof.
Die Tage im November seien dunkel, können Menschen an eigene Schicksalsschläge erinnern und Trauer hervorrufen. Wie bei dem Bettler. Und auch von Tours ist in einer dunklen Zeit gestorben. Die Grablegung war am 11. November.
Durch die St.-Martins-Umzüge, so Fischer, werde die Dunkelheit durch die Menschen mit den Laternen etwas erhellt. Zuneigung werde gezeigt. „Das ist meine Erklärung, die ich auch gerne bei den Umzügen vermag, weiterzugeben“, sagt der Pfarrer. Dass die Dunkelheit durch ein Licht am Himmel erhellt wird, sei zum Beispiel auch beim Weihnachtfest oder an Ostern so – ein christlicher Moment.
Auch Pfarrer Ludger Becker von der Katholische Kirchengemeinde St. Ansgar Barßel kann sich gut vorstellen, dass bei den St.-Martin-Umzügen mit Laternen das Licht in die Welt getragen wird in dieser dunklen Zeit – ähnlich wie der Heilige Martin durch die Teilung seines Mantels Licht in die Welt brachte.
In der Pfarrgemeinde werden in diesem Jahr die Umzüge von den Kindergärten „Heilige Familie“, „St. Marien“ und „Die Arche“ veranstaltet. Zu den Umzügen gehört auch das Martinsspiel dazu, in dem die Legende nachgespielt wird. In Barßel beispielsweise steht vor der Kirche Ss. Cosmas und Damian ein Pferd vor der Tür, berichtet der Pfarrer. Dann geht es mit St. Martin, dessen Rolle ein Kind übernimmt, zur Seniorenresidenz. Von dort aus machen sich die Kinder mit ihren Laternen auf zur Wiese hinter dem Pfarrhaus. „Dort sitzt am Kohlenfeuer dann der Bettler“, sagt Pfarrer Becker.
Bei den Martinsspielen werden auch Lieder und Gedichte, die sich auf den Heiligen beziehen, vorgetragen. Und am Martinstag selbst wird die Martinsgans verzehrt. Dieses Jahr wurde von Papst Franziskus als Heiliges Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen. So wird die Wichtigkeit der Botschaft, etwas mit Bedürftigen zu teilen, noch einmal unterstrichen.
