Altenoythe - So im Vordergrund zu stehen, ist Sabrina Fangmann sichtlich unangenehm. „Ich schreibe lieber, als dass ich rede“, begrüßt sie an der Türschwelle. Und das tut die 32-jährige Mutter und Landwirtschaftliche Betriebswirtin auf dem eigenen Hof an der Riege Wolfstange offensichtlich sehr gut. Denn der Klecks-Verlag (Flörsbachtal) hat ihr erstes Kinderbuch „Anne-Marie“ herausgebracht. Jüngst wurde es auf der Leipziger Buchmesse präsentiert. „Ich hatte schon einige Monate daran zu knausern, mit Foto auf der Rückseite eines Buches zu erscheinen“, sagt die bescheidene junge Frau mit kurze Haaren. Jetzt ist sie aber „stolz, etwas veröffentlicht zu haben“.

Die Geschichten um Anne-Marie, die drei Bände umfassen, spielen in Ostfriesland. Fangmann: „Das steht für Humor und Witz“ – genauer in Bedekaspeln in Brookmerland. Das „kaspeln“ hinter dem Bede, berichtet im Buch die Ich-Erzählerin Anne-Marie, sei zum Ortsnamen hinzugekommen, weil die Kinder immer so viel „rumkaspeln“. Eine Wortschöpfung, die im Haushalt von Sabrina Fangmann auch gerne genutzt wird. Die drei Kinder Emily (8), Ellen (5) und Michel (2) der Autorin bieten „viel Stoff für die Geschichten“, verrät die Autorin.

Die Geschichten um die achtjährige Anne-Marie, ihre kleine Schwester Sophie und den frechen kleinen Bruder Malte seien Resultat aus den Erfahrungen, die sie mit ihren eigenen Kindern mache, eigenen Kindheitserlebnissen und einem guten Schwung Fantasie. „Vielleicht findet sich der ein oder andere in den Geschichten wieder“, sagt die junge Landwirtin.

Ob im Schweinestall oder auf dem Feld – vorne in ihrer Latzhose hat Sabrina Fangmann stets ihr kleines Notizheft stecken. Darin notiert sie ihre Ideen, die ihr häufig auch während der Arbeit kommen. Abends dann, wenn die Kinder im Bett sind, setzt sie sich häufig neben ihren Mann auf das Sofa, klappt ihr kleines Notebook auf und fängt an zu tippen. „Es fließt dann so aus mir heraus“, sagt die 32-Jährige. Manchmal aber auch nicht, und dann zwingt sie sich auch nicht dazu.

Astrid Lindgren sieht die Altenoytherin als großes Vorbild an. Die idyllische „Anne-Marie“-Welt, die das Landleben in den 80er Jahren spiegelt, erinnert wohl deshalb nicht von ungefähr an die Werke der Nobelpreis-Trägerin aus Schwedin. Witzig, schnoddrig, aber auch lehrreich sind die Geschichten, von denen Band zwei und drei bereits fertig geschrieben sind.

Ihre größten Fans und zugleich Maßstab, ob die Geschichten funktionieren, sind ihre eigenen Kinder, vor allem Emily und Ellen – auch für ihren neuen Roman. Derzeit arbeitet Sabrina Fangmann an einer Art Fantasie-Geschichte im Stil von „Eragon“. „Die Kinder kommen ständig und fragen: „Mama, liest du uns was vor?’“, berichtet die Autorin. Und das tut sie. Denn mit ihren Kindern verbringt sie ihre Zeit noch lieber als vor ihrem Laptop.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)