Alexandersfeld - Lautes Lachen, jemand rennt, ein Kind ruft etwas, ein Ball prallt auf Pflastersteine, Kunststoffräder rollen: Hinter dieser hohen Hecke ist ganz schön was los. Gut abgeschirmt von den Blicken der Passanten spielen die Kinder der Kindertagesstätte Jan Koopmann, genießen das schöne Sommerwetter und freuen sich auf diesen Sonnabend. „Dann haben wir Jubiläum“, rufen sie im Chor und toben weiter auf ihrem Spielplatz hinterm Haus.
Wie berichtet, feiert die Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt (AWo) am 4. Juli ihr 25-jähriges Bestehen. Gäste sind von 11 bis 16 Uhr an der Halsbeker Straße 3 willkommen. Nach einer offiziellen Feierstunde, die bis 12 Uhr dauert, beginnt ein Sommerfest mit Spiel und Spaß gratis für große und kleine Leute.
Hinter der hohen Hecke: Auf den ersten Blick wirkt das Gebäude mehr wie ein Einfamilienhaus denn wie eine Kindertagesstätte. Und das liegt wohl auch an seiner ungewöhnlichen Baugeschichte. Die begann auch nicht vor 25 Jahren, sondern bereits 1951. Die Zeitrechnung der Kita für ihr Jubiläum setzt dagegen im Jahr 1990 an, als sie nach einer Umbauphase neu eröffnet wurde.
Stück von jedem Haus
„Dieses Gebäude hat eine besondere Seele. Denn hier steckt von jedem Haus dieser Siedlung ein Stück drin“, erzählt Kita-Leiterin Alexandra Hoffmeyer-Hanke. Entstanden ist der Kindergarten nämlich im Zuge des Baus der sogenannten Koopmannsiedlung. Unter der Federführung von Jan Koopmann, ehemaliger Landtagsabgeordneter und Ratsherr der Stadt Oldenburg sowie damals von der Wohnungsbaugesellschaft GSG eingesetzter Bauleiter, startete 1948 das große Projekt. In zwei Bauabschnitten wurden im Stadtnorden mehr als 220 Siedlungshäuser in gemeinschaftlicher Eigenleistung errichtet. 1951 legte die AWo den Grundstein für den Kindergarten mit Einliegerwohnung. „Die Kita wurde aus den Baurestmassen der Siedlung erbaut“, weiß Hoffmeyer-Hanke. Eben auch im Stil der Wohnhäuser.
In „Tante Lisbeths Kindergarten“, benannt nach der damaligen AWo-Vorsitzenden Elisabeth Frerich, wurden 40 Kinder betreut. Ein NWZ -Artikel von 1953 beschreibt: „Tante Hanne und Tante Grete, die Kindergärtnerin und Kinderpflegerin, stehen täglich im Mittelpunkt einer ausgelassenen und unruhigen Schar“. Eine Sachspende (Möbel und Spielzeug) kam aus Holland. Vertreter der Bürgerschaft der kleinen Stadt Amersfort hatten es durch eine Sammlung möglich gemacht, den Kindergarten mit allem auszustatten, was gebraucht wurde.
Aufgenommen wurden in der Nachkriegszeit ausschließlich Flüchtlingskinder. „Als die sozusagen ,ausgingen’, sah man keine Notwendigkeit mehr und schloss den Kindergarten 1960“, weiß Alexandra Hoffmeyer-Hanke aus alten Unterlagen. In den Folgejahren wohnten AWo-Mitarbeiter in dem Haus.
Wieder junge Familien
Als die Koopmann-Siedlung in den 1980er Jahren an die Kanalisation angeschlossen wurde, änderte sich alles. Auf den Hintergrundstücken, wo sich zuvor die Kleinklärgruben befanden, durfte nun gebaut werden. „So zogen junge Familien hierher, und ein Kindergarten wurde wieder notwendig“, sagt Hoffmeyer-Hanke.
Erneut hielten die Siedler zusammen. „Wie mussten mit 250 000 DM auskommen“, erzählt einer von ihnen, der 91 Jahre alte Wilhelm Supe. Mit Hilfe kleiner Bauunternehmen und Eigenleistung der Siedler gelang das. „Bei der Schlussrechnung blieben genau 1,50 DM von der Summe übrig“, erinnert sich Supe mit einem zufriedenen Lächeln zurück.
Neueröffnung war im August 1990. Bis zu 80 Kinder wurden in den Anfangsjahren betreut. Heute hat die Kita 45 Plätze in zwei Ganztagsgruppen. „Drei Pädagogen kümmern sich jeweils um eine Gruppe“, erzählt die Kita-Leitering. Besonders freut sich die 46-Jährige auch über den aktiven Elternbeirat. „Wenn wir Helfer suchen, bleibt die Liste nie leer. Auch beim Jubiläumsfest stehen Eltern am Grill.“
