Lemwerder - Dinge anders sehen, die Sichtweise ändern und neue Perspektiven entdecken: Das will Kai Kinghorst, wenn er mit der Kamera durch die Wesermarsch streift und nach Motiven Ausschau hält. Meistens muss er nicht lange den Sucher bemühen; manchmal aber, sagt der 51-Jährige, „kommen sie auch auf mich zu“. So geschehen bei seiner Konzeptarbeit „Blick in die Glaskugel“. Teilergebnisse zeigt er jetzt im Lemwerderaner Rathaus.

Der Titel seiner aktuellen Ausstellung beschreibt treffend, warum das Glaskugel-Konzept für ihn so spannend ist: „Was dabei herauskommt, war nicht klar. Ich habe viel ausprobiert.“

Mal ging es ihm um die Form, etwa wenn er die rund 1,5 Kilogramm schwere Glaskugel direkt vor dem Buchstaben eines Schiffes platziert hat; dann wieder geht es um Projektion oder die Perspektive. „Je nach Motiv, lässt sich dieses mit der Kugel aus einer bestimmten Perspektive nicht mehr aufnehmen. Das waren zuweilen echte Herausforderungen“, erzählt der bekannte Fotograf, der früher bei den Deichfotografen aktiv war, heute als „Lichtbildner Berne“ unterwegs ist und als Dozent bei der Kreisvolkshochschule sein Wissen und seine Leidenschaft an interessierte Hobbyfotografen weitergibt.

Und dass nicht jede Perspektive möglich ist, empfindet er als eine für ihn wichtige Erkenntnis „auch in anderen Lebensbereichen“ – nämlich dass man nicht alles erreichen kann oder Dinge nicht so sehen kann wie andere.“ Deshalb stelle er sich beim Fotografieren immer wieder bestimmte Aufgaben.

Die „ersten brauchbaren Aufnahmen“ (Kinghorst) mit der Glaskugel sind 2015 entstanden; seither hat der 51-Jährige nicht nur in der Wesermarsch, sondern auch in Ostfriesland und sogar im Urlaub entsprechende Motive gesucht und gefunden. 14 davon zeigt er nun in seiner aktuellen Ausstellung – „ich weiß gar nicht, die wievielte es im Rathaus bereits ist.“.

Menschen tauchen auf diesen Bildern nicht auf, auch das ist gewollt: „Wer Menschen abbildet, muss sich der Verantwortung bewusst sein, die damit einhergeht“, erklärt er. Außerdem fühle er sich „der Natur verpflichtet“.

Die Bilder hängen zwar bereits seit Montag, eine kleine Vernissage findet aber noch an diesem Donnerstag, 3. November, ab 17 Uhr statt. Danach sind die Bilder bis 23. Dezember jeweils montags bis freitags von 8.30 bis 12 Uhr sowie montags und dienstags auch von 14.30 bis 16 Uhr und donnerstags von 14.30 bis 18 Uhr zu sehen.

Soviel ist sicher: Der Blick in die Glaskugel lohnt sich.

Torsten Wewer
Torsten Wewer Kanalmanagement