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FRAGE:
Herr Dietl, ist die Wirklichkeit tatsächlich so schlimm, wie Sie es darstellen?
DIETL
: Die Wirklichkeit ist viel düsterer als der Film. Ich habe ja drei Jahre in Berlin gelebt und diese Geschichte recherchiert. Wenn ich alles erzählt hätte, was ich wirklich weiß, das würde kein Mensch glauben. Ich behaupte nicht, dass alles, was wir in dem Film sehen, wirklich passiert ist. Es ist ein Gleichnis, aber es zeigt sehr deutlich, worum es geht.
FRAGE:
Würde die Affäre um Bundespräsident Wulff auch für einen Film taugen?
DIETL
: Da haben sich die Maßstäbe schon sehr verschoben. Dass allen Ernstes eine Staatsaffäre entsteht aus so einem Häusl und den paar hundert Euro, die der Wulff sich da für einen Kredit gespart hat, oder wegen irgendwelcher Kochbücher, die das Agrarministerium in Niedersachsen für 3411 Euro herausgegeben hat – dass solche Lappalien einen Skandal hergeben, das begreift allmählich niemand mehr.
FRAGE:
Mit der Münchner Szene sind Sie damals liebevoller umgegangen – mögen Sie Berlin nicht?
DIETL
: Nein, ich mag diese Stadt, und ich mag auch diesen besonderen Bezirk Berlin-Mitte. Wir hatten ja früher keine Hauptstadt, sondern nur dieses Dorf am Rhein. Aber jetzt haben wir eine Hauptstadt, das ist etwas Faszinierendes. Wenn man hier spazieren geht, hat man immer das Gefühl, im Zentrum der Entscheidungen zu sein. Und für einen Satiriker ist das geradezu ein Geschenk – so viel Narrische wie hier gibt’s sonst nicht leicht auf einem Haufen.
FRAGE:
Wie sind Sie auf die Idee zu dem Film gekommen?
DIETL
: Ich wollte eigentlich etwas über Veränderungen machen. Mit der Globalisierung und der New Economy hat sich die Welt in den vergangenen zehn, zwölf Jahren sehr geändert – und auch das Verhalten der Menschen. Die Geschichte hatte eigentlich zwei Pole: Franz Xaver Kroetz aus „Kir Royal“ sollte die alte Moral verkörpern und der junge Bully Herbig die Nichtmoral. Aber dann konnte ich mich mit Kroetz nicht einigen, und dann habe ich die Geschichte auf den „Zettl“ hingeschrieben.
FRAGE:
Besteht nicht die Gefahr, die Politikmüdigkeit noch zu verstärken?
DIETL
: Ich rede ja ungern von Botschaften, sonst wär’ ich Botschafter geworden. Aber ich glaube doch, dass es etwas Aufklärendes hat in dem Sinne: „Hey, aufpassen Leute! Lasst Euch das nicht gefallen.“ Ich nehme ja nicht umsonst einen sympathischen jungen Mann wie Bully Herbig als Hauptfigur meines Films. Das sind alles so furchtbar nette Leute, die dann die schlimmsten Sachen machen – an der Börse, in der Industrie, überall. Also Vorsicht vor den netten Leuten!