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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Mobiles Kino Niedersachsen: Wenn Cineasten sich in Scheunen treffen

12.08.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-08-14T10:32:07Z 280 158

Mobiles Kino Niedersachsen Aus Oldenburg:
Wenn Cineasten sich in Scheunen treffen

Oldenburg Schwalben jagen durch die Luft. Eine Schar Enten watschelt vorüber, und die Hofkatzen beobachten neugierig das ungewohnte Treiben in der Spielscheune. Wo sonst Kinder herumtollen, werden Beamer, Leinwand und Stuhlreihen aufgebaut. An diesem Abend verwandelt sich „Katrins Ferienhof“ im Wangerland (Kreis Friesland) in ein Lichtspielhaus. Der Hof ist einer von mehr als 400 Orten, den das Team des mobilen Kinos Niedersachsen jährlich anfährt. In dieser Saison feiert das Projekt seinen 25. Geburtstag.

Die in Oldenburg ansässige „nicht gewerbliche Kinoarbeit“ wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert. Die Idee: Vereine, Schulen und Initiativen können sich aus einer Vorschlagsliste einen Wunsch-Streifen aussuchen. Den bringen Bernhard Gorka oder eine seiner vier Kolleginnen mitsamt moderner Technik vorbei. „Wir gehen auch in die Schulen“, sagt Gorka. „Wir empfehlen den Lehrern Filme, die unter die Haut gehen.“ Eines der Themen ist Mobbing.

„Wir haben nichts gegen Kino-Paläste“, sagt Gorka. Das Angebot des mobilen Kinos bewege sich jedoch auf „anspruchsvollem Programmkino-Niveau“. Das Gros der Filme ist europäisch. „Französische Komödien kommen immer gut an“, sagt Gorka. Etwa im Wangerland, wo auf Einladung der Landfrauen das „Frühstück bei Monsieur Henri“ über die Leinwand flimmert. Eine Konkurrenz zu den gewerblichen Lichtspielhäusern ist das Modell nicht. Erst wenn die Filme auf Blue Ray erscheinen, werden sie ins Repertoire aufgenommen. „Der Rahmen ist sehr viel geselliger als sonst im Kino“, sagt Gorka. „Es ist auch als lokaler Treff zu verstehen.“

Das bestätigt Olaf Schachtschneider von der Dorfgemeinschaft Aschenstedt. „Das Gesellige ist das, was uns wichtig ist. Dieses Rudelgucken ist eine tolle Sache.“ Und die Atmosphäre ist besonders. „Man darf so sein, wie man ist. Im professionellen Kino traut man sich nicht so offen zu lachen, zu weinen, Gefühle zu zeigen.“ Seine Dorfgemeinschaft arbeitet seit 15 Jahren mit den Oldenburger Filmexperten zusammen. Mittlerweile organisiert sie in der Gemeinde Dötlingen neunmal im Jahr das „Scheunenkino“, an neun verschiedenen Orten. „Wir haben das erfunden, damit hier im Dorf auch mal was stattfindet. Wir sind fettes plattes Land, 500 Einwohner.“

Die Spielorte sind vielfältig, manche haben Tradition. So wird stets am 9. November, dem Tag des Mauerfalls, in der Dorfkirche eine deutsch-deutsche Geschichte gezeigt. Und am 23. Dezember läuft ein Weihnachtsfilm. „Das ist mittlerweile eine Kult-Veranstaltung. Wir haben es geschafft, ganze Familien in den Kinosaal zu bekommen, drei bis vier Generationen.“

„Die Leute möchten ein bisschen was zum Lachen und ein bisschen was zum Nachdenken“, sagt Jutta Fettköter vom Seniorenkino Sittensen. Im Mai 2016 lief im Heimathaus der erste Kinonachmittag. „Der ist so gut angenommen worden, wir waren überrascht von dem Zuspruch.“ Heute sind die Kinonachmittage fester Bestandteil des Seniorenprogramms, durchschnittlich kommen 85 Personen. Fettköter nutzt die Nachmittage, um außerdem über die Arbeit des Seniorenbeirats zu informieren und Anregungen der Gäste mitzunehmen. „Die Leute, die wir vorher nicht erwischt haben, die wissen jetzt Bescheid.“

Umsonst ist das mobile Kino nicht, die Veranstalter erheben deshalb einen kleinen Obolus. Das „Scheunenkino“ etwa kostet fünf Euro Eintritt. „Uns ist das sehr wichtig, dass sich jeder den Kinoabend leisten kann“, sagt Schachtschneider. Professionell werben dürfen sie übrigens nicht für ihre Filmvorstellungen.

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