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Nachnutzung Kirche verschenkt Problem-Kapelle nach Litauen

Cloppenburg - Die Stiftung St.-Josefs-Stift verschenkt die hölzerne Kapelle „Maria Königin“, die auf dem Gelände des – inzwischen geschlossenen – Niels-Stensen-Hofs in Timmerlage steht, an die im Juli 2011 neu gegründete katholische Kirchengemeinde „Des seligen Johannes Paul II.“ im litauischen Marijampole. Das gab am Mittwoch der Kuratoriumsvorsitzende der St.-Josefs-Stiftung, Cloppenburgs Dechant Bernd Strickmann, bei einem Pressegespräch im Pfarrbüro „Forum“ an der Sevelter Straße bekannt.

Den Kontakt nach Litauen hatte Clemens Rottinghaus hergestellt. Der Leiter des Gemeindepsychiatrischen Zentrums engagiert sich seit 1991 ehrenamtlich in der Litauenhilfe, was ihm bereits die Ehrenbürgerschaft im 47 000 Einwohner großen Marijampole eingebracht hat. Es habe aber auch – so Strickmann – Gespräche mit einer Gemeinde in Weißrussland gegeben.

Auf die Frage, ob er froh sei, die von seinem Vor-Vorgänger Kühling unter dubiosen finanziellen Umständen gebaute Kapelle mit rund 100 Sitz- und weiteren 50 Stehplätzen nun endlich los zu sein, antwortete Strickmann ausweichend: „Ich bin darüber gar nicht froh. Ich freue mich über jede Kirche, die gefüllt ist. Wir können dort aber keine Gottesdienste feiern.“

Messe in der Schule

Aber genau das wollen die Gläubigen aus Marijampole, die sich nach Angaben ihres Pfarrers Marius Rudzinskas „sehr auf das neue Gotteshaus freuen“, tun. Zurzeit besuchen die Menschen, die in einer relativ neuen Siedlung mit Plattenbauten wohnen, ihre Messen in einer nahe gelegenen Hauptschule.

Bis die Kapelle in Marijampole steht, haben die Litauer noch jede Menge Arbeit vor sich: Ein zweiköpfiges litauisches Team – bestehend aus einem Bauunternehmer und einem Architekten – nahm am Mittwoch bei einem Ortstermin die Kapelle unter die Lupe: Allein zwei Monate bräuchten Helfer der Kirchengemeinde aus der südlitauischen Stadt, um den Innenraum der komplett aus Eichenholz bestehenden Kapelle zu demontieren, die einzelnen Balken zu beschriften und für den Transport ins 1400 Kilometer entfernte Marijampole fertig zu machen, lautete deren Einschätzung.

Umfangreiche Arbeiten

Die Gebäudehülle soll noch über den Winter stehenbleiben, um sie dann im kommenden Frühjahr bei geeigneteren Temperaturen abzubauen. Ihren ersten Gottesdienst werden die Litauer wohl erst im Sommer 2014 im neuen Gotteshaus feiern können, auch weil das stark verwitterte Außen-Holz komplett aufbereitet werden muss. Dafür müssen sie sich um die Inneneinrichtung keine Gedanken machen, auch diese dürfen sie komplett umsonst aus Timmerlage mitnehmen. Die einzigen Kosten, die der neuen Gemeinde entstehen, sind diejenigen für den Auf- und Abbau sowie den Transport.

Vor dem Abbau muss die Kapelle im Übrigen noch von Weihbischof Heinrich Timmerevers provaniert – also entweiht – werden. Der Einsegnung der Kapelle am 15. September 2007 war der Offizial im Übrigen ferngeblieben – aus Protest über die ungeklärte Finanzierung des Baus.

Käufer für Hof gesucht

Unterdessen sucht die Stiftung St.-Josefs-Stift für den Niels-Stensen-Hof, auf dessen Gelände die Kapelle „Maria Königin“ (noch) steht, einen Käufer. Ein Cloppenburger Maklerunternehmen bietet nicht nur die 16 Hektar umfassende Fläche, sondern auch die drei Gebäude des – gescheiterten – Sozialprojekts auf dem früheren Hof Meyer-Bixlag an. Neben einem Hof-Café sollte der caritative Betrieb benachteiligten Menschen eine berufliche Perspektive in den Bereichen Garten- und Landschaftsbau, Waldpflege sowie Malen und Lackieren verschaffen.

Geld für Defizitabbau

Mit dem Verkauf will die St.-Josefs-Stiftung nach Angaben ihres Vorsitzenden Strickmann einen Teil des Defizits decken, der durch die finanzielle Schieflage des – ebenfalls zur Stiftung gehörenden – St.-Josefs-Hospitals entstanden ist. Dazu habe sich die Kirche verpflichtet, nachdem die Mitarbeiter mit dem Verzicht auf Weihnachtsgeld und Gehaltserhöhungen zur Rettung des Krankenhauses in Vorleistung gegangen seien.

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland
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