KIRCHHATTEN - Der Ritter an der Rittrumer Straße ist bei Wanderern und Radfahrern ein beliebtes Fotomotiv. Ein Vierteljahr hat Bernd Müller an der Figur gearbeitet.
Von Stephan Onnen
KIRCHHATTEN - „Ist das Ritter Kunibert?“ – diese Frage bekommt Bernd Müller häufig zu hören, wenn Kinder an der Figur vorbeikommen, die er gegenüber von seinem Haus an der Rittrumer Straße 21 aufgestellt hat. Nein, um Kunibert handelt es sich bei dem stählernen Recken nicht, und auch „Ritter Rost“ steckt nicht unter der Rüstung. Bernd Müller – als Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Kirchhatten und Gästeführer stets darum bemüht, Interesse für den Ort zu wecken – hat sich bei der Gestaltung der Figur an der Hatter Historie orientiert. Sein Ritter soll den Grafen Christian zu Hatten und Oldenburg darstellen.Einst soll im „Borgloh“ (Burgwald) zwischen Kirchhatten und Sandhatten eine Burg gestanden haben, die nach Recherchen des Hatter Chronisten Wolfgang Martens erstmals im Jahre 1192 erwähnt wird und sich im Eigentum von Graf Christian befand. Der Burgherr beteiligte sich am dritten Kreuzzug, der unter Kaiser Barbarossa 1189 ins Heilige Land nach Jerusalem führte. „Graf Christian musste auf dem Weg dorthin diese Stelle passieren“, sagt Müller und deutet auf die gegenüberliegende Straßenseite, wo er den Ritter hoch zu Ross platziert hat.
Da es in alten Unterlagen und Chroniken nichts über das Aussehen des Grafen zu erfahren gab, hat sich Müller in Lexika und Fachbüchern Anhaltspunkte für die Gestaltung besorgt. „Nur“ 1,70 Meter groß ist sein Ritter – schließlich waren die Menschen damals noch von etwas kleinerem Wuchs. Die Rüstung hat Müller aus Stahlblech zusammengeschweißt und genietet. Auch einen Harnisch hat er zurechtgeklopft. Etwa ein Vierteljahr nahm die Arbeit an der Figur in Anspruch. Die Idee, nach „Hatho“ – einem von Müller kreierten Hünen, der im Rathaus auf die erste urkundliche Erwähnung Hattens im Jahr 860 hinweist – eine zweite historische Figur zu schaffen, sei ihm „einfach so in den Kopf gekommen“, erzählt Bernd Müller. Der 66-Jährige möchte Fahrradfahrer, Wanderer und Gäste dazu animieren, sich mit der Hatter Geschichte auseinanderzusetzen und ins Mittelalter einzutauchen. In der Tat ist Ritter Graf Christian zu einem der am meisten fotografierten Motive geworden. „Einige Besucher machen sogar
einen Kniefall vor der Figur“, berichtet Müller. Gleich daneben, an der Ecke Rittrumer Straße/Auf dem Haferkamp, lädt eine Schutzhütte zum Verweilen ein.
Der „echte“ Graf Christian ist 1192 zum Ende des Kreuzzuges kurz vor seinem Ziel, der „Burg bei Hatten“, zu nachtschlafender Zeit in Bergedorf dahingemeuchelt worden. Vermutlich auf Anordnung seines Bruders, Graf Moritz, soll er von mehreren Edelmännern, u. a. aus dem Geschlecht der Familien von Hatten, von Döhlen und von Sannum, erstochen und erwürgt worden sein. Laut Müller befahl der Erzbischof, dass als Sühne für diesen Mord eine Kirche in Hatten errichtet werden musste. Seit dieser Zeit, so der Heimatvereinsvorsitzende, heißt der Ort Hatten „Kerchhatten“, woraus später Kirchhatten wurde.
Damit Christians blecherne Nachbildung nicht auch Frevlern zum Opfer fällt, hat Bernd Müller die Figur auf ein stabiles Stahlross montiert, das Diebstahl und sonstigen Unfug erheblich erschwert. Müller: „Graf Christian ist hier immer unter Aufsicht.“
