KIRCHHATTEN - Vor drei Jahren ist das Buch „Lodz-Geschichte(n)“ erschienen, in dem die Kirchhatterin Aurelia Scheffel ihre Kindheitserinnerungen in der polnischen Stadt beschreibt, in der sie am 23. April 1928 als Deutsche geboren wurde, aufwuchs und aus der sie 1946 mit Mutter und drei jüngeren Brüdern vertrieben wurde. 2005 stellte sie ihre Erinnerungen auf der Buchmesse in Leipzig vor, es folgten Lesungen, unter anderem an Schulen, in der Kirchhatter Gemeindebibliothek, im Nordwolle-Museum in Delmenhorst, aber auch im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge in Lich. Dazu war sie von Dr. Andrea Löw von der Arbeitsstelle Holocaustliteratur des Instituts für Germanistik der Justus-von-Liebig-Universität Gießen eingeladen worden. Die Wissenschaftlerin war im Internet auf die Kirchhatter Autorin gestoßen.
In einem Internet-„Erzählclub“ hatte Scheffel ihre Erinnerungen erstmals veröffentlicht, sie sich von der Seele geschrieben, ehe sie als Buch bei „Books on Demand“ erschienen sind, von dem bislang etwa 500 Exemplare verkauft wurden. Es kann auch weiterhin im Buchhandel für 7,90 Euro bestellt werden (ISB 3.8334-1431-6). Kürzlich bekam Scheffel eine Email von einer polnischen Journalistin, die eine Chronik über Lodz schreibt und von Löw auf die Kirchhatterin aufmerksam gemacht wurde.
Seit Jahren in regelmäßigem Briefkontakt ist Aurelia Scheffel mit der polnischen Deutschlehrerin Danuta Czuczwara. Diese hat jetzt ihr Buch ins Polnische übersetzt und möchte es gerne in ihrer Heimat auf den Markt bringen. Ungeklärt ist aber bislang die Finanzierung des Projektes.
Vom 25. April bis 3. Mai vergangenen Jahres besuchte Scheffel 60 Jahre nach der Vertreibung noch einmal ihre alte Heimat. Die Reise war ein Geschenk ihres Sohnes Horst, der sie auch begleitete. Ihre bewegende Reisebeschreibung ist später in „Weg und Ziel“ abgedruckt worden, einem Mitteilungsblatt für ev.-luth. Deutsche aus Polen.
Die 79-Jährige plant, ihre Kindheitserinnerungen auch als Hörbuch herauszugeben. Darüber hinaus möchte sie gerne eine CD mit 16 polnischen Liedern aus ihrer Kinderzeit aufnehmen, um diese für ihre Nachkommen zu bewahren. Sie hat diese Kinder- Volks- und Trinklieder auch in Deutschland immer wieder mit ihrer Mutter gesungen, die 94-jährig verstorben ist. Musikalisch mit dem Akkordeon begleiten soll sie dabei ihr Sohn.
