Kirchhatten/Oldenburg - Donnerstagabend, 20 Uhr, in Kirchhatten: Barbara Gröne sitzt auf der Bank vor dem Evangelischen Gemeindehaus und genießt die letzten Sonnenstrahlen. Drinnen im kleinen Saal neben dem Kirchenbüro sind die meisten Stühle noch leer. Heide Grotelüschen sortiert ein paar Noten und verteilt Blätter.
Nach und nach trudeln Frauen und Männer mit kleinen Koffern oder Taschen ein. Querflöten, Flügelhörner, Tuben und ein Schlagzeug werden ausgepackt. Noten auf die Ständer gelegt. Alles sieht nach Routine aus, von Aufgeregtheit keine Spur. Dabei steht den Musikern, die gemeinsam die Kleine Hatter Blasmusik bilden, der eindeutig größte Auftritt ihres Bestehens bevor. Am Samstag, 3. August, um 11 Uhr werden sie auf der Hatten-Stage vor dem Eingangsbereich das Tabularaaza-Festival eröffnen.
Frage in die Runde: Ist irgendjemand wenigstens ein bisschen nervös? „Bis 20 000 Zuschauer habe ich kein Problem“, sagt Ulrich Gröne und wienert lächelnd sein Tenorhorn mit dem Lappen. „Ob 250 oder 20 000 ist mir egal. Mich interessiert höchstens, ob auf der Bühne Mikrofone stehen“, knurrt Andreas Richter.
Ein Böhmischer Traum
Etwa zwölf Stücke wollen die Volksmusiker dem vermutlich überwiegend jüngeren Publikum während ihres einstündigen Auftritts präsentieren. Und was gibt es am Samstagmittag so auf die Ohren? Melodien „vom Egerland bis zum Moldaustrom“, verspricht Richter. „Auf jeden Fall den Böhmischen Traum“, fügt Heide Grotelüschen hinzu. Die 1997 von Norbert Gälle komponierte Polka sei besonders beliebt und werde immer verlangt. Auch auf der Liste: „Über zwei Dörfer“ von Ernst Mosch und seinen Original Egerländern.
Wacken hat seine mittlerweile legendären Firefighters, doch wie kommen Tabularaaza und „Kleine Hatter Blasmusik“ zusammen? Festivalorganisator Jan Meiners wohnt an der Grenze zwischen der Gemeinde Hatten und Stadt Oldenburg. „Er hat uns voriges Jahr auf dem Oktoberfest des Sandkruger Schützenvereins auf der Bühne erlebt“, erzählt Richter. So kam es dann zum Engagement der Volksmusiker.
In voller Besetzung besteht die Kleine Hatter Blasmusik aus 20 Musikern. 17 eröffnen am Samstag das Tabularaaza-Festival an der Bümmersteder Straße. Die Musiker kommen aus den Gemeinden bzw. Orten Hatten, Hude, Achternmeer, Rastede, Wardenburg, Wüsting, Huntlosen, Voßberg, Goldenstedt und Neerstedt.
Geprobt wird alle 14 Tage donnerstags von 20.30 bis 22 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus, Wildeshauser Str. 2, in Kirchhatten. Mitspieler sind jederzeit willkommen. Aktuell wird besonders ein weiterer Flügelhornspieler vermisst. Nähere Informationen gibt Heide Grotelüschen unter
Mit dem Umstand, dass sie sich beim Großteil des Tabularaaza-Publikums noch einen Namen werden machen müssen, kommen die Bläser offensichtlich prima klar. Umgekehrt ist das ja auch so. „Paul van Dyk – den Namen habe ich schon mal gehört, wahrscheinlich auch eins seiner Lieder“, vermutet Karin Härtel. Die Flügelhornspielerin plant wie viele ihrer Kollegen, im Anschluss an den eigenen Auftritt zumindest eine Weile den Künstlern auf den anderen Bühnen zuzuhören. Barbara und Ulrich Gröne machen daraus ein Familienevent. „Wir haben unseren drei Söhnen Eintrittskarten geschenkt“, verrät die Querflötenspielerin.
Nichts kann sie stoppen
Heide Grotelüschen bleibt dagegen nur ein bisschen Zeit. „Ich spiele am Samstag bei einer Trauung in Kirchhatten die Orgel“, erzählt sie. Und Andreas Richter? Der freut sich schon auf das „Freibier für die Musiker“, das er sich vom offiziellen Fassanstich um 11.30 Uhr durch Hattens Bürgermeister Christian Pundt auf der Bühne verspricht. Was solle sonst auch dazwischen kommen? „Wir spielen schließlich alles live und mit der Hand, nicht mal ein Stromausfall kann uns stoppen.“
