KIRCHKIMMEN - Puppen so weit das Auge reicht. Sie sitzen auf Sofas, auf Regalen, in Schubladen, in Sesseln, lehnen sich an Schränke an, stehen auf den Fensterbänken. Dazwischen ist auch schon einmal ein Teddybär zu finden, aber die Puppen sind in der Übermacht. Es gibt Puppenstuben, Puppenhäuser, kleine Schränke voller Puppenporzellan, Kinderkochküchen mit altem Blechgeschirr, Kleider, Kinderwagen und Kaufmannsläden im Miniformat.
Eine Puppenwelt vom Feinsten tut sich im „Haus Kimmen“ auf. Das Dorfmuseum startet mit einer Sonderausstellung zum Thema „Puppen“ aus der Winterpause. Inhaberin Imme Schulte Strathaus war dazu die Idee gekommen, als sie eigentlich an eine Wäsche-Ausstellung gedacht hatte. Mit dem Schwenk hin zu Puppen hat sie ein gutes Gespür bewiesen: Dutzende von Sammlern meldeten sich, nachdem das Museum per Zeitungsannonce dazu aufgerufen hatte, Exponate für eine Ausstellung zur Verfügung zu stellen.
Museumsmitarbeiterin Beate Lukas freut sich über Leihgaben von sieben Familien aus Delmenhorst, Ganderkesee, Schierbrok und Hude. „Wir haben leidenschaftliche Sammler kennen gelernt, die ihr ganzes Haus voller Puppen und Teddys haben“, berichtet Lukas. „Als wir über 100 Puppen zusammen hatten, mussten wir die Aktion stoppen.“
Unterstützt wurden Imme Schulte Strathaus und Beate Lukas bei der Vorbereitung der Ausstellung durch Dorothee von Rothkirch. Die Huderin hat selber etwa 50 bis 60 Puppen beigesteuert. Ihre Sammlung besteht sowohl aus Exemplaren, die sie als Kind geschenkt bekommen hat, als auch aus antiken Stücken, die sie von ihrer Mutter und ihrer Oma übernommen hat. Ältestes Exponat ist eine aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammende Puppe, deren Kopf aus hautähnlichem Biscuitporzellan gefertigt ist. Auch eine Biedermeier-Puppenstube, Barbie-Puppen, Monchichi-Äffchen, exotische Modelle, die ihr Schwager aus Malaysia mitgebracht hat, oder fantasievolle Lumpen-Puppen, die ein behindertes Kind aus Wolfenbüttel angefertigt hat, haben im kleinen Museum eine vorübergehende Bleibe gefunden – „Puppen-Mutter“ Dorothee von Rothkirch kann zu jedem Exemplar eine Geschichte erzählen.
Charakterpuppen, die wie Ebenbilder von Kindern aussehen, Tretautos, liebevoll in Schulzimmern und Karussells arrangierte Steiff-Teddys und aus Lindenholz geschnitzte Kasperle-Figuren komplettieren die Ausstellung.
Als „typische Sammlerin“ sieht sich Dorothee von Rothkirch nicht. „Ich habe Freude an alten Sachen. Ich habe mir gedacht, die Puppen-Sammlung meiner Mutter müsste man retten.“ Selber Exemplare gekauft hat sie nie – mit einer Ausnahme: Am vergangenen Sonnabend hat sie auf einem Flohmarkt einen Gitarre spielenden Elektro-Ernie erstanden, der die Ausstellungsbesucher mit blechernem Gesang begrüßen wird.
Ab 12. April sonnabends und sonntags geöffnet
