KIRCHKIMMEN - Für Sammler sind Banknoten aus der Inflationszeit von großem Wert. Von alten Scheinen trennen sich „Notgeld“-Kenner nur ungerne.
Von Benno Hespe
KIRCHKIMMEN - Einige sammeln Briefmarken, andere haben ihre Freude an Bierdeckeln aus aller Welt, und wieder andere Sammler hüten kistenweise Geldscheine über Millionen- oder gar Milliardenbeträge wie einen kostbaren Schatz, wenngleich er heute kaum etwas wert ist.Es handelt sich bei diesem Schatz um Geldscheine, meistens aus den Zwanzigerjahren, also aus der Inflationszeit. Einen gewissen Wert stellen sie allerdings dennoch dar, wenn auch „nur“ für Sammler. So bringen bestimmte Reichsbanknoten bis zu 50 000 Euro, weiß der Oldenburger Helmut Behrens anlässlich eines Sammler- und Tauschtages im Dorfmuseum „Haus Kimmen“ zu berichten.
An eine solche Rarität kommt man, wie Martin Gefken aus Hude erzählt, allerdings ebenso selten heran wie an die „Blaue Mauritius“. Für die große Zahl derjenigen, für die das Sammeln dieses „Notgeldes“ zu einer Leidenschaft geworden ist, haben diese alten Geldscheine, von denen sie sich kaum trennen würden, jedoch einen unschätzbaren Wert.
Zu bewundern sind in einer Ausstellung im „Haus Kimmen“ unter zahlreichen Exemplaren beispielsweise eine am 25. September 1923 von der Reichbankdirektion Berlin herausgegebene Reichsbanknote mit dem Aufdruck „Zehn Milliarden Mark“ und viele andere Banknoten, für die es allerdings nur wenig zu kaufen gab.
Weil die Banken mit der Ausgabe neuer Zahlungsmittel wegen des täglich wechselnden Kurses kaum noch nachkamen, behalfen sich örtliche Geldinstitute und Behörden mit Ersatzgeld oder Gutscheinen. Der Grund der späteren Geldentwertung lag schon im Beginn des Ersten Weltkrieges 1914, als die umlaufende Geldmenge rasant anwuchs und immer schneller zu einer sinkenden Kaufkraft führte.
Helmut Behrens gehört seit etwa 50 Jahren zu den leidenschaftlichen Sammlern. Begleitet wird er auf seinen Reisen, die ihn bis nach Thüringen und Sachsen führen, von seiner Frau. Sie meint: „Wenn man Sammler- oder Tauschbörsen besucht, ist es schon besser, wenn man zu zweit ist.“ Dann könne ihr Mann nach noch fehlenden Stücken Ausschau halten und sie passe auf die eigenen millionen- und milliardenschweren Scheine auf.
Gab es in den Zwanzigerjahre (Inflations-)Millionäre zuhauf, fing nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Währungsreform 1948 alles von vorne an. Alle Bundesbürger waren mit einem Tage gleich „wohlhabend“, als ihnen ein einheitliches „Kopfgeld“ von 40 Deutschen Mark, der neuen Währung, ausgezahlt wurde.
Damals gab es sogar Geldscheine im Wert von fünf und zehn Pfennigen, die Helmut Behrens ebenfalls in seinen Alben aufbewahrt hat.
