Cloppenburg - Eine in mehrfacher Hinsicht außergewöhnliche musikalische Leistung hat das Kammerorchester des Nationaltheaters Prag am Sonnabend unter der Leitung von Bohuslav Matousek (1. Violine) erbracht. Der international bekannte Klangkörper mit einer unglaublich musikantischen Ausstrahlung war von den „Konzertfreunden Cloppenburg“ in die Aula des Clemens-August-Gymnasiums eingeladen worden.
Das aus 15 Streichern bestehende Prager Kammerorchester begann mit einer Sinfonia aus dem Oratorium „Jephta“ von G.F. Händel (1685 bis 1759). Schon bei diesem kurzen Werk beeindruckten die jungen und älteren Musiker durch ein wunderbar homogenes Zusammenspiel, eine ausgeprägte exakte Rhythmik sowie fein abgestufte Dynamik – und das alles ohne Dirigat.
Bis zur Pause standen drei Solokonzerte auf dem Programm: Im Konzert c-moll für Oboe und Streicher von A. Marcello (1669 bis 1747) bestach die Oboistin Dana Wichterlova durch einen geschmeidigen Ton und – besonders im letzten Satz – durch eine hohe Virtuosität.
Dann brachte der Komponist und Flötist Jaroslav Pelikan sein Concerto zur Aufführung. Auf seiner Querflöte aus Holz spielte der 42-Jährige kraftvoll, vital und äußerst virtuos. Er leitete gleichzeitig das ihn einfühlsam begleitende Orchester. Seine Komposition erinnerte in den Ecksätzen an die Musik von B. Bartok und im langsamen Mittelsatz an die von C. Debussy – er löste einen großen Beifall des Publikums aus für dieses schöne zeitgenössische Werk.
Es folgte das Violinkonzert Nr.1, C-Dur von J. Haydn (1732 bis 1807), in dem sich der erste Geiger und Leiter des Orchesters Bohuslav Matousek als Solist präsentierte. Im sehr bekannten Adagio verzauberte er die Zuhörer mit einem wunderbar feinen und gleichzeitig intensiven Ton seiner Geige über der exakten Pizzikato-Begleitung des Orchesters. Er erntete viel Applaus.
Beschwingte Spielfreude zeigten die Musiker nach der Pause bei der Ouverture aus der Oper „Glückliche Sklaven“ für Flöte, Streicher und Oboe des Komponisten J.C. Arriaga (1806 bis 1826), der auch der „spanische Mozart“ genannt wird. Sehr spannungsreich, äußerst virtuos und in einem sehr reizvollen Wechsel- und Zusammenspiel hatten die beiden Solisten danach noch einmal im Concertino für Flöte, Oboe und Streicher des böhmisch-österreichischen Komponisten Ignaz Moscheles (1794 bis 1870) musiziert, bevor das tschechische Kammerorchester in einer Suite für Streicher ihres Nationalkomponisten Leos Janacek (1854 bis 1928) noch einmal sein ganzes Können zeigte.
Die dichten Klänge dieses Werkes erfordern eine saubere Intonation und gutes Aufeinanderhören. Dann wieder hörte man volkstümliche Melodien heraus, und im zweitletzten Satz der Suite hatte der erste Cellist einige sehr schöne Solopassagen zu spielen.
Der kraftvolle Schlusssatz bewirkte einen begeisterten Beifall des Publikums, so dass es noch zwei Zugaben geschenkt bekam: einen tänzerisch und spielfreudig erklingenden Walzer von Antonin Dvorak und einen kurzen fröhlichen Pizzikato-Satz aus einer Ballettmusik von Christoph Willibald Gluck, der im kaum noch hörbaren dreifachen Piano endete.
