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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Klassenclown und Kalauerkönig

31.01.2011

HAMBURG Einer wie Karl Dall muss sich schon auf eine Hawaii-Insel zurückziehen, um den 70. in Ruhe feiern zu können. Der Blödelbarde mit dem hängenden Augenlid, der am 1. Februar Geburtstag hat, gehört auch ohne eigene Fernsehshow noch immer zu den bekanntesten TV-Gesichtern Deutschlands.

Nur bis zur 10. Klasse

Ganz weit weg, nur im engsten Familienkreis will er das Jubiläum in einer Tapas-Bar auf der Insel begehen. „Hauptsache, es sind keine Deutschen in der Nähe, denn in Rudeln sind die unerträglich!“, sagt er jetzt. Rotzig auch im Rentenalter statt altersmilde? Das Hamburger Lästermaul fühlt sich jedenfalls noch immer fit – „für das, was ich in meinem Leben so alles schlucken musste“.

Schlucken musste der einstige Kalauer-König so manches – und anderes als Bier und Schnaps hat er freiwillig und bisweilen nicht zu knapp geschluckt. „Es hat eigentlich nichts richtig geklappt bei mir, aber dafür geht es mir doch ganz gut“, sagt Karl Bernhard Dall, der nach damals in Emden üblicher Praxis zu seinen beiden Vornamen gekommen sei: „Mein Vater hieß Karl und ein Saufkumpan von ihm Bernhard.“

Einen Beamten wollten die Eltern aus ihm machen, das Lehrerkind selbst sah sich als Fotograf oder Kameramann. Nach dem vermasselten Schulabgang – in der 10. Klasse brach er ab – platzten elterliche und eigene Träume. Dafür war er als Klassenclown bekannt: „Komisch fand ich mich nicht, aber alle haben über mich gelacht.“

Er, der als Kind wegen seiner Lidmuskelschwäche gehänselt wurde, machte das Beste daraus – und wurde Komiker. Nach einer Schriftsetzer-Lehre und Gelegenheitsjobs traf er auf Liedermacher Ingo Insterburg, 1967 schlug die Geburtsstunde für die humoristisch-anarchistische Gruppe Insterburg & Co („Ich liebte ein Mädchen“), die schnell zum Geheimtipp wurde. Bevor die Blödel-Truppe Ende der 70er auseinanderging, hatte Dall Kontakte zum Fernsehen geknüpft. Er brachte den „Musikladen“ mit auf den Bildschirm, assistierte bei „Am laufenden Band“ und spielte in „Verstehen Sie Spaß?“ Telefonstreiche.

Tochter wurde Stuntfrau

„Auge zu und durch“ nannte er seine Autobiografie – und genau das dürften sich auch seine Talkgäste gesagt haben. Denn in Sendungen wie „Dall-As“ (1985–1991/RTL) oder „Jux und Dallerei“ (1992– 1994/Sat1) provozierte Dall als gnadenloser und manchmal auch gemeiner Gastgeber. Obwohl die Promis ordentlich einstecken mussten, hätten später viele selbst angefragt. „Jeder wollte mal mit Dall am Tisch sitzen und sich verarschen lassen“, sagt er.

Inzwischen will der Entertainer, der auch als Musiker Erfolge hatte („Diese Scheibe ist ein Hit“) keine eigene TV-Show mehr. Er passe ohnehin in kein Format mehr – und „Kohle hab’ ich eigentlich genug“.

Der neben Otto Waalkes berühmteste Ostfriese genießt die Zeit mit der Familie. Seine Tochter Janina sorgt als Stuntfrau für Aufsehen. Und die Enkeltocher hält den „Dienstleistungs-Sadisten“ („Der Spiegel“) auf Trab.

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