Nordenham - Kabarettabende werden heutzutage oftmals als spritzige Themenabende verpackt. Die aktuellen Nachrichten dienen dabei nur als Anreißer. Anders bei den beiden Münsteranern Andreas Breiing und Ludger Wilhelm: Als „Die Buschtrommel“ präsentierten sie am Sonnabend im Kulturzentrum Jahnhalle klassisches politisches Kabarett vom Feinsten.
Von Opel bis Veggie Day
Ihr roter Faden folgte der brandaktuellen Tagespolitik. Die unendliche Geschichte um die Eröffnung des Berliner Hauptstadtflughafens („Hartmut Mehdorn ist zwar kerngesund. Aber ehrlich: Das erlebt er doch nicht mehr“), die Kritik an der Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn oder die Diskussion um deutsche Kriegsschiffe vor Somalia, die Liquiditätsschwierigkeiten bei der Adam Opel AG („In Bochum kostet heute ein Auto mehr als das ganze Werk“) und die Bankenkrise („Mit Blick auf solche Vorfälle hoffen heute sogar schon Atheisten auf den Zorn Gottes“) gehörten ebenso dazu wie der von den Grünen geforderte Veggie Day („Da verderben die uns auch noch den Sex im Alter“). Das kunterbunte Themenfeld arbeiteten sie mit bissigen Kommentaren auf.
Das Feuerwerk der pointenreichen Kurznachrichten hätte allerdings überfordert, hätten die Buschtrommler zwischendurch nicht ruhigere Sequenzen eingestreut. So hielt Ludger Wilhelm seine erste Wahlkampfrede, oder er bewarb sich im Kanzleramt als Kanzleramtssprecher, Andreas Breiing pickte sich aus einem Buch vom Grabbeltisch skurrile amerikanische Gesetze heraus oder erzählte das Märchen „vom Wulff“, der sich im Beruf eines Bundespräsidenten versuchte.
Ein Hauch von Comedy kam auf, als Ludger Wilhelm als Hüpfdohle in Unterhose verkleidet der Spaßfigur seine geniale Mimik verpasste oder er das Lied von den Amis, „…den Vorbildern für die große weite Welt“, anstimmte.
Die 70 Gäste in der Jahnhalle erlebten Andreas Breiing und Ludger Wilhelm als wortgewandte und spitzfindige Kabarettisten ohne erhobenen Zeigefinger und ohne Berührungsängste in einem ausgesprochen abwechslungsreichen Programm. Die beiden boten fundierte und gut recherchierte Texte.
Eine Prise Lokalkolorit
Gekicher, Schenkelklopfer, laute Lacher, Gebrabbel, spontane Kommentare, Applaus: Von der ersten bis zur letzten Minute waren die Jahnhallenbesucher ganz Ohr – und amüsiert dabei. Geschickt nahm das Duo die Atmosphäre auf und ließ auch ein wenig Lokalkolorit einfließen. Ob allerdings bei dem folgenden Wortwechsel die aktuelle Diskussion um einen geeigneten Krankenhausstandort gemeint war, blieb offen: „Darf ich mich dazusetzen?“ „Ja, wenn Sie nicht gerade aus Brake kommen.“
