Eversten - Kleine Schonfrist für die bedrohten Eichen an der Edewechter Landstraße: Die großen Bäume zwischen der Straße „An der Fuchsbäke“ und Thomasburg sollen erst im dritten und letzten Bauabschnitt in den Jahren 2015/16 dem Straßenausbau zum Opfer fallen.
Während einer gut besuchten Bürgerinformationsveranstaltung der Stadtverwaltung in der Comeniusschule kündigte Tiefbauamtsleiter Johann de Buhr allerdings an, bereits in diesem Jahr zwei alte Eichen im vorderen Bereich des zweiten Bauabschnitts fällen zu müssen. Die Bäume seien ohnehin geschädigt und von einem Pilz befallen, der Radweg an dieser Stelle viel zu schmal. De Buhr betonte, dass weder die Bürger noch die Verwaltung über den endgültigen Ausbau entscheiden werden. Zuständig und damit verantwortlich seien die Ausschüsse und der Stadtrat, letztlich also die Politikerinnen und Politiker.
Die Edewechter Landstraße ist in einem ersten Bauabschnitt im vergangenen Jahr zwischen Kaspersweg und Sandfurter Weg ausgebaut worden. In diesem Jahr soll der Abschnitt zwischen Sandfurter Weg und Thomasburg folgen, bevor 2015/16 der Ausbau bis „An der Fuchsbäke“ folgt, wo ein Kreisverkehr nach den Vorstellungen der Verwaltung den Durchgangsverkehr abstoppen soll. Kernstücke sind eine einheitlich 6,50 Meter breite Fahrbahn und ein neuer Rad-/Gehweg auf der Südseite der Straße.
Anlieger sehen für diesen neuen Radweg keinen Bedarf; der vorhandene auf der Nordseite reiche aus. Zudem müssten zukünftig die Kinder und Erwachsenen aus dem Neubaugebiet Eversten-West die viel befahrene Edewechter Landstraße überqueren, um den Verkehrsregeln entsprechend Richtung Stadt zu radeln. Aus Sicht der Bauverwaltung ist der vorhandene Fuß-/Radweg für den Begegnungsverkehr zu schmal.
Dass die Straße saniert werden muss, ist unbestritten. Der Schwerlastverkehr hat in den vergangenen Jahren seine Spuren hinterlassen. „Die Asphaltschicht ist nicht stark genug. Unter der Fahrbahn befinden sich Torflinsen und auch Reste der alten Klinkerstraße haben wir bei Untersuchungen gefunden“, bekräftigte de Buhr die Notwendigkeit der Sanierung. Auch sei die Straße an einer Stelle nur 5,80 Meter breit, die Berme sei mit Schotter verstärkt worden, so dass 6,40 Meter genutzt werden könnten. Und genau an dieser Stelle müssten die alten Eichen am südlichen Straßenrand fallen.
Einige Anlieger und Naturschützer sehen das grundsätzlich anders. Sie forderten die Verwaltung mit Nachdruck auf, Alternativplanungen vorzulegen mit dem Ziel, die Bäume zu erhalten. Denkbar sei, die Straße zu teilen und eine Fahrspur südlich hinter die Bäume zu legen. Auf den neuen Radweg müsse gänzlich verzichtet werden.
De Buhr verwies auf hohe zusätzliche Kosten. Zudem seien die Bäume ohnehin geschädigt und hätten keine allzu hohe Lebensdauer mehr. Außerdem sei nicht zu gewährleisten, dass die Wurzeln bei der Straßensanierung nicht geschädigt würden. Über die Straße rollen pro Tag 10 500 Fahrzeuge, darunter 330 große Lastzüge.
Der zweite und dritte Bauabschnitt wird 2 461 000 Euro kosten, rechnete Udo Baumann vom Fachdienst Verwaltung Straßenbau den rund 80 Anwesenden vor. 1 586 000 Euro trägt die Stadt – ein beträchtlicher Teil davon wird durch das Land refinanziert. 875 000 Euro müssen die Anlieger aufbringen. Für ein 500 Quadratmeter großes Grundstück mit eingeschossiger Bebauung werden beispielsweise 2500 Euro fällig, ein zweigeschossig bebautes Gewerbegebiet auf einem 1000 Quadratmeter großen Grundstück schlägt mit 12 500 Euro zu Buche. Mehr als die Hälfte der Besucher verließ die Schulaula übrigens, als das Thema Finanzen abgeschlossen war, und die Baumdiskussion fortgesetzt wurde.
