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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Literatur: Kleinganoven und versteckte Juwelen

28.12.2016

Berlin /München Hand aufs Herz, wer kennt russische Schriftsteller? Sieht man von Boris Pasternaks „Doktor Schiwago“ oder Alexander Solschenizyns „Archipel Gulag“ ab, verbinden die meisten Leser in Deutschland mit russischer Literatur Klassiker des 19. Jahrhunderts wie Dostojewski, Tolstoi oder Puschkin, eventuell noch Gogol oder Turgenjew.

Dass die russische Literatur viele weitere angenehme Überraschungen bereithält, die überdies noch ausgesprochen unterhaltsam und wirkmächtig daherkommen, zeigt der Dauererfolg des Romans „Zwölf Stühle“ von Ilja Ilf (1897–1937) und Jewgeni Petrow (1903–1942).

Unverstellter Blick

Der satirische Roman um die Jagd nach einem in einem Stuhl verborgenen Juwelenschatz ist 1928 erschienen und auch schon mehrfach verfilmt worden. Erstaunlich frei und unbekümmert schildern Ilf und Petrow, beide aus Odessa stammend, das Leben in der Sowjetunion zehn Jahre nach der Oktoberrevolution. Ein offenherziger und unverstellter Einblick in das russische Alltagsleben, noch vor der Stalin-Diktatur mit ihren Schrecken und ihrer Zensur.

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Als Fortsetzungsroman in einer Wochenzeitung und später in Buchform wurde der Roman in der Sowjetunion und bald auch auf Deutsch (1930) ein großer Erfolg. Verfilmt wurde er zuletzt 2004 von Ulrike Ottinger in Deutschland und von Maxim Papernik in Russland.

Eine erste deutsche Adaption des Titels entstand in Nazi-Deutschland unter dem Titel „Dreizehn Stühle“ in der Regie von E.W. Emo mit Heinz Rühmann und Hans Moser, und unter geflissentlichem Verschweigen der eigentlichen Autoren, denn Ilja Ilf (eigentlich Fainsilberg) war jüdischer Herkunft.

Der Held in „Zwölf Stühle“ ist der Gauner Ostap Bender. Sein forsches Auftreten, seine Furchtlosigkeit vor Autoritäten und seine unerschöpfliche Kreativität machten aus ihm eine Identifikationsfigur. Noch heute gibt es gebräuchliche russische Redensarten, die ihren Ursprung in dieser Romanfigur haben. Bender, der in „Zwölf Stühle“ stirbt, wird in dem satirischen Roman „Das goldene Kalb“ (1931) wieder zum Leben erweckt.

Satirischer Sammelband

„Das goldene Kalb“ ist jedoch zurzeit auf Deutsch nicht erhältlich. Lieferbar ist aber ein Sammelband satirischer Geschichten von Ilf und Petrow („Die Andere Bibliothek“, Berlin). „Kolokolamsk und andere unglaubliche Geschichten“ erzählt von der fiktiven Kleinstadt Kolokolamsk und ihren Bewohnern, die ebenso erfindungsreich wie ungeniert im Erschließen von Geldquellen sind, wie der aus „Zwölf Stühle“ bekannte Ostap Bender.

Das Autorenpaar Ilf/Petrow stammte aus Odessa, doch erst in Moskau lernten sich die beiden Journalisten kennen. In Odessa gehörte Ilf zum Präsidium des Dichter-Klubs. Er war Herausgeber des humoristischen Magazins „Sindetikon“, für das er Gedichte unter einem weiblichen Pseudonym schrieb. Petrow schrieb für die angesehene „Literaturnaja Gaseta“ und die Zeitschrift „Ogonyok“, außerdem verfasste er Drehbücher.

Nach dem großen Erfolg ihres Romanerstlings reisten Ilf und Petrow 1933 und 1934 durch Europa, 1935–1936 in die USA (woraus das Buch „Einstöckiges Amerika“ entstand). Ilf erkrankte auf dieser Reise an Tuberkulose und starb am 13. April 1937 in Moskau. Petrow (eigentlich Jewgeni Petrowitsch Katajew) erhielt 1939 den Leninorden. Er wurde Mitglied der KPdSU.

Petrow reiste noch 1941 (vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion) nach Deutschland. Dort besuchte er Leipzig und Berlin. Sein in der Sowjetunion erschienenes Feature zeichnet ein Bild der Armut und des Hungers in Deutschland.

Nach dem Beginn des Krieges, in der Sowjetunion „Großer Vaterländischer Krieg“ genannt, wurde Petrow Kriegskorrespondent. Er starb am 2. Juli 1942 bei einem Flugzeugabsturz auf der Halbinsel Krim.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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