Oldenburg - Großes Aufhebens hat er nie gemacht um sein Können. „Das ist doch nichts Besonderes“, wehrte Curt Zeh alle Lobeshymnen ab, wenn seine Ehefrau Elisabeth wieder mal eines seiner Bilder schön fand. „Aber gefallen hat es ihm wohl doch“, meint sie rückblickend. Denn Curt Zeh, der Grafiker und Zeichner, ist im August 92-jährig gestorben. Der Verein Werkstattfilm richtet ihm zu Ehren derzeit im Kinoladen an der Ecke Katharinenstraße/Steinweg eine kleine Ausstellung aus.
Der gebürtige Leipziger floh in den Nachkriegswirren als Soldat aus Russland zunächst nach Eutin, wo er in Gefangenschaft die englischen Offiziere zeichnete. „So war er eben“, meint seine Frau. „Curt ist gewissermaßen mit dem Zeichenstift auf die Welt gekommen. Er hat seine Lehrer in der Schule karikiert und wurde dafür bestraft. Doch er hat den Stift nie weggelegt.“
Start mit Schildern
Das tat er auch in Oldenburg nicht. 1939 war Zeh nach Oldenburg gekommen, und hierher kehrte er auch 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, machte der künstlerische Autodidakt, der keine Kunstschule besucht hatte, sein Hobby zum Beruf: Er zeichnete Schilder mit Hinweisen auf Löschwasser und er fertigte Grabbeschriftungen an. Gebrauchsgrafik für alle Fälle eben, die ihn schon als Jugendlicher interessiert hatte. „Aber eigentlich hat mich der Zufall dahin gebracht“, sagte er vor einigen Jahren in einem Interview mit Regisseur Farschid Ali Zahedi.
Natürlich wurde Curt Zeh nicht durch diese Art Schilder zu einem Künstler, dessen Namen nur wenige, dessen Arbeiten in Oldenburg aber fast alle kannten. Das schaffte er durch seine Plakatkunst. 1950 erhielt er von der Firma Rela den Auftrag, Werbetafeln für die „Capitol Lichtspiele“ in der Heiligengeiststraße anzufertigen – Beginn der populärsten Schaffenszeit des Curt Zeh. Bis ins Jahr 1957 malte er für verschiedene Kinos über 600 farbige Filmplakate, die unübersehbar im Format 3x5 Meter über dem „Capitol“-Eingang angebracht wurden. Wohl kein Oldenburger außer ihm war Stars wie Hildegard Knef oder Hans Albers, Ingrid Bergmann oder Clark Gable, Yvonne der Carlo oder Rory Calhoun so nahe gekommen – nur Zeh kannte jede Falte, jedes Grübchen in den weltberühmten Gesichtern.
„Er hat die Stars nie getroffen“, erläutert Elisabeth Zeh schmunzelnd. „Curt bekam von den Verleihfirmen aktuelle Fotos, aus denen er dann die riesigen Porträts entwickelte.“ Fotos übrigens, die anschließend heiß begehrt waren: Die jungen Mädchen jener Zeit sammelten die Abbildungen ihrer Filmstars. Internet war noch weit entfernt…
Die beeindruckende Reklamekunst überlebte leider kaum die Zeit, in der ein Film im „Capitol“ lief. Aus Kostengründen wurden die ebenso realistischen wie fantasievollen Abbildungen wieder von der Leinwand entfernt, um Platz zu zu schaffen für das nächste Auftragswerk. Deshalb blieben nur wenige dieser Zeh-Werke erhalten; sie hatten das Glück, fotografiert worden zu sein. Der Künstler erledigte die farbenfrohe Arbeit zunächst per Hand und Pinsel, dann aber, um Zeit und Aufwand zu sparen, verlegte er sich auf die Spritzpistole. Auch dabei war Zeh Autodidakt: „In einem Schuppen hinter dem ,Astoria’ an der Alexanderstraße übte er täglich sieben Stunden lange, bis er es perfekt konnte“, erinnert sich Elisabeth Zeh.
Am liebsten in der Natur
Eine Methode, die er beibehielt, auch nachdem die Aufträge vom „Capitol“, damals das größte und eleganteste Kino der Innenstadt, ab 1957 ausblieben. Sogar noch in der Ära von Hans Häckermann als Generalintendant des Oldenburgischen Staatstheaters (1985 bis 1993) wurde Curt Zeh mehrfach engagiert, um Theaterplakate zu zeichnen.
Öffentliche Auftragskunst ergänzte Curt Zeh stets um seine eigene Idee von Kunst. „Er hat überall gezeichnet, vorwiegend draußen in der Natur“, erzählt seine Frau. „Das war seine Umgebung, die liebte er.“ Zahllose Kladden in ihrem Besitz belegen seinen Schaffensdrang, viele Porträts entstanden bis Anfang der 1990er-Jahre. Zu seinem 90. Geburtstag wurden viele seiner Gemälde in einer Ausstellung im Heimatmuseum Wiefelstede gezeigt. „Seine Kunst ist nicht nur schöne realistische Malerei, sondern trägt auch Züge einer Dokumentation“, schrieb Jürgen Weichardt im Ausstellungskatalog. Und das gilt ganz sicher auch für die fast vergessene Filmplakate-Kunst des Curt Zeh.
