KöLN - Mindestens 15 Jahre und wahrscheinlich noch länger narrten mutmaßliche Fälscher die Kunstwelt mit vermeintlichen Meisterwerken der Klassischen Moderne. Das Quartett soll fast 16 Millionen Euro kassiert und sogar den US-Schauspieler Steve Martin übers Ohr gehauen haben. Am Donnerstag, 1. September, beginnt am Landgericht Köln der Prozess um den wohl größten Kunstfälscherskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Drei Angeklagte ein 60-Jähriger und seine 53-jährige Frau sowie ein 67-jähriger Mann sitzen seit einem Jahr in Untersuchungshaft und schweigen. Die vierte Beschuldigte (54), Schwester der 53-Jährigen, ist auf freiem Fuß. Eine schier unglaubliche Legende hatte die Bande nach Erkenntnissen der Ermittler um eine erfundene Sammlung Werner Jägers und Sammlung Knops erfunden.
47 Gemälde mit der fingierten Provenienz soll das Quartett seit 1995 über Auktionshäuser, Galerien und Händler in den Kunstmarkt geschleust haben. Im Prozess geht es um 14 Werke. Den höchsten Preis erzielte die Fälschung La Forêt (2), angeblich von Max Ernst, die in einem Weiterverkauf für rund 5,5 Millionen Euro an den US-Verleger Daniel Filipacchi ging.
Den Fälscherpinsel soll der künstlerisch versierte 60-Jährige geführt haben, möglicherweise hatte er auch Helfer. Die Maltechniken waren ausgefeilt, alte Leinwände, Rahmen und rostige Nägel wurden benutzt und die Bilder mit einer Schmutzschicht überzogen, damit sie schön alt aussahen. Sogar Holzwurmlöcher waren gefälscht. Letztlich aber wurden kapitale Fehler gemacht: So stammte etwa das Rahmenholz mehrerer Bilder aus ein und demselben Baum.
