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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Medien: Dieser Mann legt sich gern mit den Mächtigen an

28.09.2017

Köln Man merkt ihm an, dass er schlecht still sitzen kann. Immer wieder rutscht er unruhig auf seinem Stuhl herum, mehrmals klingelt während des Gesprächs sein Handy. Günter Wallraff empfängt seinen Besuch an einem antiken Massivholztisch im Gartenhaus seines Hauses in Köln-Ehrenfeld. Tatsächlich wirkt das Gartenhaus im Innenhof eher wie ein Wohnzimmer, mit großen Fenstern, ein paar Kunstobjekten und vor allem jede Menge Büchern. In einem Regal und auf dem Tisch stapeln sich die von ihm verfassten Werke, in viele Sprachen übersetzt.

Auch zu seinem 75. Geburtstag am 1. Oktober will Wallraff nicht kürzer treten. Gerade hat der Wahlkölner – geboren wurde er in Burscheid – die Dreharbeiten für eine RTL-Dokumentation abgeschlossen, die in der zweiten Oktoberwoche ausgestrahlt wird. Täglich klingelt das Telefon seiner Stiftung „Work-Watch“, die Arbeitnehmer dabei unterstützt, sich bei Fällen von Diskriminierung und Mobbing auf der Arbeit zur Wehr zu setzen. „Solche und ähnliche Fälle machen etwa 50 Prozent meiner Zeit aus“, sagt er. Feiern will er seinen 75. Geburtstag auf gar keinen Fall: „Partys sind mir ein Gräuel.“

Ihm schwebt etwas Besonderes vor. „Meinen 50. Geburtstag habe ich mit Vietnamesen gefeiert, die gerade das Rostock-Pogrom überstanden hatten.“ Gemeint sind die tagelangen Übergriffe randalierender Rechtsextremisten gegen Ausländer in Rostock-Lichtenhagen im August 1992.

Zum 60. Geburtstag nutzte Wallraff eine gerade ausgezahlte Lebensversicherung dafür, nach Afghanistan zu reisen, um dort eine Mädchenschule zu stiften.

Günter Wallraff ist ein Ausnahmejournalist. Mit seinen Undercover-Reportagen rüttelte er die Republik auf, etwa in der Rolle des „Hans Esser“, der 1977 drei Monate als Redakteur bei der „Bild“-Zeitung in Hannover arbeitete und fragwürdige Redaktionspraktiken aufdeckte. Noch aufsehenerregender war sein Einsatz für „Ganz unten“ (1985): Zwei Jahre lang schlüpfte er in die Rolle eines türkischen Gastarbeiters.

Wallraff hatte nie Angst, sich auch mit den Mächtigen anzulegen, etwa mit dem Springer-Verlag, der jahrelang durch alle Instanzen hindurch gegen ihn prozessierte.

„Wallraff ist eine absolut singuläre Figur. Es gibt keine vergleichbare Persönlichkeit“, sagt Lutz Hachmeister, Leiter des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik in Köln. In ganz Europa sei er zu einem Vorbild geworden, sagt Hachmeister. In Schweden werde für diesen Recherchestil sogar der Begriff „wallraffing“ benutzt.

Wallraff hat sich nie geschont. Als er in Athen gegen das griechische Militärregime (1967–1974) demonstrierte, wurde er verhaftet, von der Polizei gefoltert und zu 14 Monaten Haft verurteilt. Er kam im August 1974 wieder frei.

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