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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Königin Aschenputtel blickt auf ihre Jugend zurück

26.07.2014

Oldenburg Irgendwann ging im deutschen Theater das Zauberhafte verloren. Es war einfach weg. Man ging zwar rein ins Theater und suchte den Zauber, fand aber nur Stampfen, Schreien, Brüllen und Lamentieren. Sanfte, romantische, mitreißende Aufführungen wie die von „Aschenputtel“ im Oldenburger Theater Laboratorium holen endlich den Zauber zurück.

Klemmende Tür

Unter der Regie von Hausherr Pavel Möller-Lück gerät „Aschenputtel“ geschickt zu einem Stück für Kinder und Erwachsene. Das Märchen? Ja, natürlich wird es noch erzählt.

Selbstverständlich sehen wir das Mädchen, das früh die Mutter verlor, bitter am Grab der Mama weinen. Schon kreuzt mit rotem Hut die garstige Stiefmutter auf und quält das Kindchen. Und da haben wir die beiden furchtbaren Stiefschwestern noch gar nicht erwähnt. Am Ende geht es ja gut aus, schließlich genießen wir ein Märchen: Das arme, liebe Geschöpf bekommt den Prinzen.

In etwa 70 pausenlosen Minuten erzählt Möller-Lück die Geschichte mal anders: im Rückblick, vom Glück her. Das Mädchen ist längst Königin. Die hat ein süßes Krönchen und eine Art Hofdame, eine Sekretärin, die auf Termine pocht. Die nette Königin hechelt ihren Tagesplan durch, winkt morgens ihren Untertanen (wobei die Balkontür klemmt und der Hammer her muss). Vor allem: Sie erinnert sich 40 Jahre zurück. Das ist ein Kniff, der einer bekannten Handlung fein die Krone aufsetzt.

Barbara Schmitz-Lenders als Königin und Anja Hursie als Sekretärin spielen wunderbar mehr als Königin und Sekretärin. Sie sind mit einfachen Mitteln und gut erkennbar im Hier und Jetzt oder im Damals unterwegs.

Sie blättern im Fotoalbum. Sie plaudern. Und sie bewältigen zu zweit eine Fülle von Rollen, darunter mit fiesen Masken die Stiefschwestern oder mit bösem Blick die Stiefmutter. Sie sind der Papa mit putziger Maske. Sie halten allerliebste Püppchen in Händen, die Prinz und Mädchen in der Jugend zeigen.

Die Dialoge sind gut geschnitzt, die Szenenwechsel spürt man nicht als Wechsel, so nahtlos funktioniert das. Das Licht ist sanft und märchenhaft, die Atmosphäre durch leicht wehmütige Musik mal heimelig, mal dramatisch und immer der Stimmung förderlich.

Vöglein picken

Die übersichtliche Bühne hält Requisiten in allen Ecken und Kisten bereit. Die Königin soll ins Volk winken? Wupps wird ein kleiner Balkon mit Gardinchen reingerollt.

Die Liebe zum Detail, zum tiefen Durchdenken jeder Szene, ist allenthalben zu spüren. Immer wieder wird man positiv überrascht, entlockt man uns ein Lächeln.

Die weiße Taube tröstet Aschenputtel? Schnapp hat Schmitz-Lenders ein weißes Etwas auf der Schulter. Die Taube gurrt; die Schauspielerin macht den Bauchredner. Aschenputtel soll die Linsen aus der Asche sortieren? Vöglein helfen hurtig: An einer Schnur wird gezubbelt, sofort picken Plastikvöglein auf kreisender Platte los – wie beim aufgezogenen Blechspielzeug.

Traum und Wirklichkeit mischen sich im bewegenden Rückblick der Königin. Eine Prise Humor würzt alles. Die zuweilen harte Märchenhandlung (ein Zeh muss ab, damit der Schuh passt!) mildert man ins Zarte.

Nach mächtigem Beifall verlässt man das Haus beschwingt und verzaubert. Pure Poesie? Ja. Großes Theater auf kleiner Bühne.


Alle NWZ -Rezensionen unter   www.nwzonline.de/premieren 
Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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