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NWZonline.de Nachrichten Kultur

„Kohle habe ich eigentlich genug“

01.02.2006

EMDEN Das Buch wird keine Abrechnung mit der Medienlandschaft. An seiner Bildschirmpräsenz will Dall jedoch nicht krampfhaft festhalten.

Von Carsten Rave EMDEN/HAMBURG - Dem Eintritt ins Pensionsalter widmet Karl Dall – Markenzeichen: hängendes Schlupflid – seinen Memoiren. Derzeit tüftelt der Berufskomiker, der heute 65 Jahre alt wird, an seinem literarischen Vermächtnis mit dem Arbeitstitel „Auge zu und durch“.

„Bisher unbekannte finstere Seiten aus meinem Leben werden erstmals der Öffentlichkeit preisgegeben“, kündigt Dall an. Aber er wolle auch allen „Abgebrochenen und Losern Mut machen, ihren Weg aus dem Elend zu finden“.

Eine Abrechnung mit der Medienlandschaft sei das Buch, das im Herbst herauskommen soll, nicht. Dall, der mit seiner Frau Barbara im Hamburger Stadtteil Harvestehude wohnt, unterstreicht aber, dass er nicht das krampfhafte Festhalten an der Bildschirmpräsenz anderer TV-Größen teilen wolle. Kein Kulenkampff-Schicksal, kein Vergleich mit Frank Elstner, der immer noch Sonnabends präsent ist, und auch nicht mit dem noch jüngeren Thomas Gottschalk (55), der trotz guter Einschaltquoten „eigentlich sein Verfallsdatum überschritten hat“.

Dall will keine eigene TV-Show mehr, weil er in kein Format mehr hineinpasse, „es sei denn, die senden eines Tages live aus meiner Seniorenresidenz“. Für dumme Sprüche in irgendeiner Talkshow sei er aber immer noch gut. Die meisten Anfragen rund um seinen Geburtstag („Kerner und Co“) habe er jedoch abgelehnt, ihn zieht es mit seiner Frau ein paar Tage an die Nordsee. Ansonsten durchkämmt er gerade seinen Unterlagen für die Rente. „Kohle habe ich eigentlich genug, die kann ich in meinem Leben nicht mehr versaufen.“

Nach einer TV-Karriere sah es bei Dall mit Geburtsort Emden lange nicht aus. Er verließ die Mittelschule nach der 10. Klasse und begann als Schriftsetzer. 1967 gründete er mit Ingo Insterburg und Peter Ehlebracht die humoristisch-anarchistische Gruppe „Insterburg & Co“, die sich schnell als Geheimtipp in der Studentenszene entpuppte. Gemeinsam mit Ingo Insterburg feierte er erst kürzlich ein musikalisch-komisches Bühnen-Comeback.

„Diese Scheibe ist ein Hit“ oder „Heute schütte ich mich zu“ machten Dall auch als Einzelkünstler populär. Zum Fernsehen knüpfte der Entertainer in den 70er-Jahren Kontakte, bevor „Insterburg & Co“ 1979 auseinander ging. Bei Radio Bremen hob Dall den „Musikladen“ aus der Taufe. Später assistierte der Unterhaltungs-Dinosaurier bei Rudi Carrells Show „Am laufenden Band“ oder bei „Verstehen Sie Spaß?“. Gelegentliche Auftritte in textilarmen Filmen wie „Sunshine Reggae auf Ibiza“ flankierten seine Laufbahn.

Doch seine Karriere brachte der Blödelbarde 1985 erst mit seinem Einstieg beim frisch gegründeten Privatsender RTL auf Touren. Seine armen Gäste mussten sich in der Show „Dall-As“ warm anziehen, denn Karl Dall, der „TV-Zyklop“, teilte ungehemmt aus. Fernsehgeschichte schrieb 1992 sein spektakulärer Wechsel zu Sat.1 – die bis zu diesem Zeitpunkt prominenteste Personalie unter den konkurrierenden Sendern.

„Bei RTL habe ich mir die Sporen verdient, bei Sat.1 die Mäuse“, resümierte der Komiker einmal. 1995 kehrte Dall zu RTL zurück, moderierte noch „Karls Kneipe“, die „Karl Dall Show“ und wirkte in Rudi Carrells Freitagabendshow „7 Tage – 7 Köpfe“ mit. Seine letzte TV-Station lautete Kabel 1, wo er in der Showreihe „Das Retro-Quiz“ noch bis zum Dezember 2004 im Rate-Team saß.

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