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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kolumne: Als der Krieg zu Ende ging

27.09.2019

Ein schwer verwundeter Wehrmachtssoldat verbringt während des vorletzten Kriegsjahrs 1944 einen Genesungsurlaub am Mondsee im Salzkammergut. Erinnerungen an das erlebte Grauen an und hinter der Front verfolgen ihn als Panikattacken und Depressionen, aus denen ihn die Liebe zu einer Frau befreit. Die große Leistung von Arno Geigers erfolgreichem Roman besteht darin, dass er ein Panorama der Befindlichkeiten und Verhaltensweisen der Bevölkerung liefert: In der vermeintlichen Idylle eines vom Krieg verschonten Dorfs enthüllt sich sukzessive die innere Selbstzerstörung des Dritten Reichs. (Arno Geiger: „Unter der Drachenwand“, dtv 14701, 12,90)

Auf ebenso hohem literarischem Niveau, atmosphärisch enorm dicht und auch thematisch Arno Geiger verwandt, erzählt Ralf Rothmann von den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Im Zentrum steht ein zwölfjähriges Mädchen, das mit seiner Mutter aus dem bombardierten Kiel auf ein Landgut flieht. Hier vermischen sich träumerische Idylle und pubertäre Sehnsüchte mit dem Schrecken von Gewalt, Verblendung und Denunziation. (Ralf Rothmann: „Der Gott jenes Sommers“, st 4959, 11,90)

Fast zur gleichen Zeit, im Winter 1944 während der deutschen Offensive in den Ardennen, spielt Emmanuelle Pirottes berührender Roman „Heute leben wir“. Ein siebenjähriges jüdisches Mädchen wird vom Dorfpfarrer vor den deutschen Rollkommandos zuerst versteckt und dann einem vermeintlich amerikanischen Offizier übergeben. Doch dessen Uniform ist Tarnung, hinter der sich ein deutscher Offizier verbirgt. Und dann geschieht etwas Unerhörtes, ein Wunder fast, fern allen Kitsches und enorm spannend. (Emmanuelle Pirotte: „Heute leben wir“, Fischer TB 29626, 10,-)

Bei Kriegsende kehrt ein aus Deutschland stammender, amerikanischer Offizier ins Land seiner Herkunft zurück. Im Auftrag des Geheimdienstes soll er herausfinden, wie und warum der Eugeniker Ploetz mit den Nazis paktierte und deren Wahn der Rassenhygiene legitimierte. Uwe Timm, einer unserer besten Romanciers, erzählt gewohnt souverän deutsche Geschichte und deutsche Ideologie aus ungewöhnlicher Sicht. (Uwe Timm: „Ikarien“, dtv 14696, 12,90)

Wer vor den Nazis ins Exil floh und nach dem Krieg zurückkehrte, erlebte so manche böse Überraschung, in Deutschland wie in Österreich. Ernst Lothar, der Jurist und Theaterdirektor war, erzählt in seinem autobiografischen Roman „Die Rückkehr“ von einem Juristen, der aus Amerika nach Wien zurückkehrt und dessen große Hoffnungen in großer Ernüchterung enden. (Ernst Lothar: „Die Rückkehr“, btb 71794, 12,-)

Klaus Modick über Romane, die vom Kriegsende erzählen.

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