• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Oper: Komische Muse trifft auf Mythos

07.06.2010

OLDENBURG Ja, sind wir denn beim FC St. Pauli gelandet? Vom Vorhang leuchtet die Piratenflagge, absolut in Mode als Symbol des Fußball-Kultvereins. Und wenn sich der rote Samt zur letzten Musikpremiere im Großen Haus vor dem großen Umbau teilt, dann bricht gleich ein Sauflied herein. Schon kreischt die Stimmung wie beim Stadion-Kult am Hamburger Millerntor. Doch hoch schlagen auf der Bühne die Wogen in Arthur Sullivans Musical-Operette-Oper „Die Piraten”. Regisseurin Andrea Schwalbach macht sie zum vielleicht köstlichsten Heckmeck seit Jahren am Staatstheater.

Gefühl und Wortwitz

Für solchen Nonsens braucht eine Regie eine Vision, handwerkliche Perfektion und große Liebe zum Sujet. Alles bringt Schwalbach mit. Die komische Muse und der Piraten-Mythos sind ihre heimliche Leidenschaft. Über den reinen Spaß hinaus befreit ihre Inszenierung von der Schwere des Alltags.

Die Dosis an trockenem Humor, Kopfständen, dezent angerührtem Gefühl und schlagendem Wortwitz stimmt. Schon die Ankündigung „In deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln” zählt zu den Finessen: Zwischendurch werden Comics als Sprachcodes eingeblendet.

Sullivan und Librettist William Gilbert bildeten 1879 ein Erfolgsduo. Die Handlung um den Piratenlehrling Frederick ist hanebüchen und nebensächlich, der Rahmen auf der Bühne zauberhaft (Bühne und Kostüme: Anne Neuser). Turbulenzen entstehen, weil drei Gruppen geradeaus aufeinanderprallen: der verkappte Piraten-Clan, die wuchtig-grazile Töchterschar des Generalmajors und das sehr weich gesottene Polizeikorps. Opern- und Extrachor stürzen sich mit Verve in diese Konflikte (Einstudierung: Thomas Bönisch).

Die tänzerische Lockerheit der Sängerinnen und Sänger fordert Szenenbeifall heraus (Choreografie: Cedric Bradley).

Für Klärung der Umstände sorgen die Solisten, der vom Pflichtgefühl geschüttelte burschikose Frederick, die einfach gestrickte aber zielsichere Mabel oder der umwerfend spleenige Major. Die Figuren sind scharfkantig geschnitten, nicht sehr tief schürfend, aber hier durchweg mit einer persönlichen Ernsthaftigkeit belebt.

Ironische Distanz

Michael Pegher, neu im Ensemble, verfügt über einen Tenor im Einklang mit der Lehrlingsrolle: noch frisch, aber changierend zwischen Schmalz und Gefühl. Sarah Papadopoulou bläst Koloraturen auf und treibt im Bedarfsfall ihren Sopran auf Nebelhornstärke. Derrick Ballard tobt mit seinem Bariton durch die Wortkaskaden, lässt die Sprache übers Hochseil turnen. Es gibt zudem Paraderollen für Paul Brady als Piratenkönig, Henry Kiichli als Polizeisergeant und Marcia Parks, umwerfend als Amme Ruth und später Queen.

Sullivans Musik nutzt Floskeln, beschränkt sich auf wenige Akkorde und Harmonien. Aber sie entwickelt einen zwingenden Zug in der gewählten Broadway-Fassung von 1981 vorwiegend für Bläser, Keyboards und Schlagzeug. Jason Weaver kitzelt den Sullivan-Esprit heraus und hält ironisch Distanz, wenn sich Kirchenmusik einschleicht, auch so ein Markenzeichen des Briten.

So endet hier die Sache wie manchmal auf St. Pauli: Alle feiern fröhlich ein gewonnenes Spiel!

Nächste Vorstellungen: 9., 11., 16., 18., 19. Juni.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.