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Buch Kommt jetzt                die große Abrechnung?

Andreas Herholz Büro Berlin

Berlin/Hannover - Wird der 10. Juni der Tag der Abrechnung? Schlägt Christian Wulff jetzt zurück? Am Dienstag nach Pfingsten stellt der Altbundespräsident in der Berliner Bundespressekonferenz sein neues Buch vor: „Ganz oben – Ganz unten“ lautet der Titel des 264-Seiten-Werks, in dem das frühere Staatsoberhaupt jetzt „aus seiner Sicht“ schildern will, „wie die Affäre inszeniert wurde, was sich hinter den Kulissen abspielte und wie es sich anfühlt, derlei massiven Angriffen ausgesetzt zu sein“, wie sein Verlag jetzt ankündigt. Wulffs Buch sei „ein Lehrstück über Politik, Presse und Justiz, das nachdenklich macht“.

Volle Aufmerksamkeit

Das frühere Staatsoberhaupt war 598 Tage nach Amtsantritt wegen einer Affäre zurückgetreten, als die Staatsanwaltschaft Hannover gegen ihn Ermittlungen wegen Vorteilsannahme im Amt einleiten wollte. Wulff musste sich schließlich als erster ehemaliger Bundespräsident vor Gericht verantworten. Zum Schluss ging es nur noch um die Frage von rund 720 Euro Hotel- und Bewirtungskosten. Am Ende stand ein Freispruch.

Der Termin für den großen Auftritt auf der Berliner Bühne ist mit Bedacht gewählt. Keine Bundestagssitzung, kein Kabinett tagt an diesem Tag. Die Kameras und die volle mediale Aufmerksamkeit dürften auf Wulff gerichtet sein. Einen Vorgeschmack auf sein Buch hatte der Altbundespräsident bereits im Gerichtssaal in Hannover geliefert, als er in seinem Plädoyer in eigener Sache hart mit den Ermittlern und der Staatsanwaltschaft abrechnete und das Bild des Opfers der Justiz und der Medien von sich zeichnete.

Vergangenheitsbewältigung eines Gescheiterten – nach seinem Freispruch Ende Februar plant Wulff jetzt seine Rehabilitierung zweiter Teil. Hatte der Ex-Bundespräsident nach dem Urteilsspruch noch jede Geste und jedes Wort des Triumphs vermieden, den Richterspruch mit stiller Genugtuung und einem mildem Lächeln quittiert, darf man jetzt auf seine gedruckte Sicht der Dinge und auf den ersten großen Auftritt danach vor den Kameras gespannt sein. Nie habe er einen Zweifel daran gehabt, dass er freigesprochen werde, hatte Wulff damals erklärt. „Nun kann ich mich wieder der Zukunft zuwenden.“ Einer der ersten Schritte ist nun die Buchveröffentlichung, die ihm Gelegenheit gibt, noch einmal Klartext zu sprechen.

Wulff war Vorteilsannahme im Amt vorgeworfen worden. Er soll sich 2008 als niedersächsischer Regierungschef vom mitangeklagten Filmfinancier David Groenewold einen Teil der Kosten für einen Oktoberfest-Besuch in München bezahlt haben lassen. Konkret ging es um etwa 720 Euro für Hotel, Essen und Babysitter. Im Gegenzug soll sich Wulff anschließend bei der Spitze des Siemens-Konzerns dafür eingesetzt haben, einen Film Groenewolds zu unterstützen. Beide Männer bestritten die Korruptionsvorwürfe. Schließlich war da noch eine Reise nach Sylt und die Frage der Kosten, der Kredit für Wulffs Eigenheim in Großburgwedel und die halbe Wahrheit darüber im niedersächsischen Landtag, die Oktoberfestsause in München, das Handy von Freund und Mitangeklagtem Gronewold. All das, so hatte am Ende der Richter klargemacht, reiche ohne hinreichende Indizien für eine Vorteilsnahme nicht aus.

Fehler eingestehen

Jetzt spricht Wulff, der inzwischen in Hamburg in einer Anwaltskanzlei tätig ist: Er werde auch seine eigenen Fehler benennen, heißt es in der Ankündigung seines Verlages. Dazu gehörte wohl auch der Anruf als Bundespräsident auf dem Handy des Chefredakteurs der Bild-Zeitung und der Versuch, die Berichterstattung zu stoppen.

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