Neuenburg - Früher unverzichtbarer Teil der Jagd, heute eher Brauchtumspflege: Spätestens seit jeder ein Handy in der Hosentasche hat, sind Jagdhörner bei der Jagd eigentlich überflüssig geworden. Um aber die Erinnerung an die Jagdkultur hochzuhalten, ertönen immer noch die Jagdhörner – wie zum Beispiel beim Jagdhornbläserkorps Friesland-Wilhelmshaven. Die pflegen ihr Brauchtum nun schon seit 60 Jahren und wollen das mit einem Kreisbläsertreffen feiern.
Das findet am Sonntag, 6. August, auf dem Rauchkatengelände beim Schloss in Neuenburg statt. Dann findet dort auch der letzte Backtag des Neuenburger Heimatvereins in diesem Jahr statt. Gebacken wird ab 13 Uhr, ab 14 Uhr wird in die Hörner geblasen. Mit dabei ist auch die Jägerschaft mit einem Informationsmobil.
Aber Horn ist nicht gleich Horn, wie Hans-Heinrich Wilken von den Jagdhornbläsern erklärt: Für unterwegs auf der Jagd gibt es das Fürst-Pless-Horn. Das ist klein und handlich. Das so genannte Parforce-Horn ist da deutlich größer und deshalb nichts für unterwegs. Es kommt zum Einsatz, wenn sich die Jäger nach der Jagd wieder gesammelt haben.
Was genau spielen die Jagdhornbläser überhaupt auf ihren Instrumenten?
Hauptsächlich ihre Jagdsignale. Von den so genannten Jagdleitsignalen gibt es ganze 45 Stück. Und die beherrscht jeder Jagdhornbläser aus dem Effeff. Ganz wichtig ist zum Beispiel das Signal „Hahn in Ruh’“. Mit Hahn ist da aber keinesfalls das krähende Federvieh gemeint, sondern der Hahn des Gewehrs, der bei alten Waffen vor dem Feuern gespannt werden musste. Entsprechend soll mit dem Signal mitgeteilt werden, dass alle an der Gesellschaftsjagd beteiligten aufhören sollen zu schießen.
Zum Ende einer Jagd wird das Treiben dann auch abgeblasen. Das Signal „Jagd vorbei“ wird auch auf der Beerdigung eines Jägers gespielt – zusammen mit dem „Halali“, das ebenfalls das Ende einer Jagd anzeigt.
Nach Ende der Jagd erklingen außerdem die „Totsignale“, wie sie im Jägerjargon heißen. Das geschossene Wild wird der Größe nach aufgereiht und zu Ehren der erlegten Tiere werden dann die jeweiligen Totsignale geblasen. Wildschwein, Hirsch und Hase haben jeweils ihr eigenes Signal. „Die Signale sind dem Wesen der Tiere nachempfunden“, erklärt Hans-Heinrich Wilken. Damit man sich die Signale besser einprägen kann, haben sie außerdem einen Text.
Auch wenn die Jagdhörner heute eigentlich nicht mehr zum Einsatz kommen: „Wer einen Jagdschein macht, muss bei der Prüfung trotzdem noch ein paar Jagdsignale erkennen können“, sagt Hans-Heinrich Wilken. Selbst blasen können muss man sie aber nicht. Das erfordere schließlich auch viel Übung. „Wir üben jeden Montag im Schulmuseum in Bohlenberge. Bis man das Jagdhorn einigermaßen beherrscht braucht es ungefähr ein Jahr“, sagt Hans-Heinrich Wilken. Er ist selbst seit vielen Jahren Jäger und gehört seit 51 Jahren dem Bläserkorps an.
Zum Repertoire der Jagdhornbläser gehören aber nicht nur die verschiedenen Signale. Sie studieren bei ihren Übungsabenden auch Märsche, Fanfaren und Volkslieder ein. Mit ihren Parforce-Hörnern gestalten sie auch die Hubertusmessen.
