Hamburg - Samba-Umzug durch die Hafencity, ein Blasorchester erklingt, das Hip-Hop-Trio Deine Freunde rappt auf einer Open-Air-Bühne vor dem Konzerthaus: Auf diesen Tag haben die Hamburger und Besucher der Hansestadt lange gewartet.
Drei Jahre vor der offiziellen Eröffnung im Frühjahr 2017 brachte der Tag der Elbphilharmonie am Sonnabend das spektakuläre Konzerthaus im Hafen zum Klingen. Zahlreiche Besucher wollten sich am Wochenende das Konzerthaus auch von innen anschauen, aber nur die, die sich bereits im Vorfeld eines der 5000 kostenlosen Tickets gesichert hatten, kamen auch rein.
„Ich glaube, die Neugier ist sehr groß, weil so viel über diese Baustelle geschrieben wurde. Sich dann selber mal vom ,Tatort’ einen Eindruck zu verschaffen, das ist schon spannend“, sagte Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos). Bislang hatte Deutschlands berühmteste Kulturbaustelle eher durch Negativ-Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht. Gerade erst wurde der Bericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses verabschiedet, der auf 724 Seiten auflistet, wie es zu den Kostenexplosionen und Bauverzögerungen bei dem Prestigeprojekt kommen konnte. Sollte die „Gläserne Welle“ zunächst 77 Millionen Euro kosten, sind die Kosten mittlerweile auf 789 Millionen Euro gestiegen, die Eröffnung wurde mehrmals von 2010 auf zuletzt 2017 verschoben.
Passend dazu gab es Proteste von linken Demonstranten der Blockupy-Bewegung, die an diesem Tag in vielen europäischen Städten gegen soziale Ungerechtigkeit und die Macht der Banken auf die Straße gingen. Mit Plakaten zogen rund 1000 Menschen vom Hauptbahnhof bis zu den Magellan-Terrassen, nur 550 Meter von der Elbphilharmonie entfernt. Das Konzerthaus ist für sie „das weithin sichtbare Symbol für protzige Elitenkultur, Korruption und Verschwendung in Hamburg“.
Am Ende der Demonstration kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Besucher der Elbphilharmonie bekamen davon nichts mit – Beamte hatten die Straßen zu dem Konzerthaus abgesichert.
