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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Schweres Geknitter: Der diskrete Charme der Strichmännchen

30.03.2020

Oldenburg Theoretisch sind ja eigentlich alle Comicfiguren Strichmännchen – nur mehr oder minder detailreich ausgearbeitet und koloriert. Bei @kriegundfreitag ist die grafische Gestaltung eher rudimentär – die inhaltliche dafür umso tiefgehender.

Bei „Schweres Geknitter“ geht die längste zusammenhängende Geschichte schon auf dem Cover los – sie endet nämlich erst auf der nächsten Seite. Das Buch von @krieg­undfreitag, der eigentlich Tobias Vogel heißt, ist voll von Comics und Fotos, die auf den ersten Blick wie hingekritzelte Bildchen wirken.

Über den Autor

Der Autor @kriegundfreitag heißt eigentlich Tobias Vogel. Seit einigen Jahren veröffentlicht er in sozialen Netzwerken seine Strichmännchen-Zeichnungen. 2019 wurde er mit dem Grimme Online Award in der Kategorie „Kultur und Unterhaltung“ ausgezeichnet.

Auf seinen Kanälen in den sozialen Medien wird es jeden Sonntag interaktiv: Unter dem Hashtag #ichgebeauf gibt er jede Woche eine kreative Aufgabe vor.

Doch hinter den Zeichnungen verbirgt sich sehr viel mehr. Manchmal mehr, manchmal weniger tiefsinnig sind die Bedeutungen der Comics. Manch eine Zeichnung bringt einen eher dazu, das Gesicht schmerzlich lächelnd zu verziehen. Doch spätestens auf der nächsten oder sogar gleichen Seite wird man dann wieder zum lachen gebracht (zumindest oder besonders, wenn Flachwitze zum Humorgeschmack gehören).

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Die Witze werden mit den simpelsten Mitteln geschaffen und dabei nicht immer mit Strichmenschen. Ein einzelnes Maiskorn mit angemalten Flügeln – das ist ganz klar eine Maise. Mit kleinen Utensilien, wie eben einem Maiskorn, aber auch einem Radiergummi oder Heftpflaster, erzeugt der Autor große Wirkung.

Während manch einer hier noch mit den Augen rollen mag, geht es auf einmal furchtbar tiefsinnig weiter: Eine Figur stellt fest, dass alles, was sie anfasst, kaputtgeht. Was folgt ist kein direkter Trost, sondern die Frage: „Kannst du bitte meine Ängste anfassen?“

Mit nur wenigen Sätzen und zwei Strichfiguren schafft der zeichnende Autor oder auch philosophierende Zeichner, eine Bandbreite von Emotionen hervorzurufen – ein tiefes Mitgefühl gegenüber einem Strichmännchen, das davon überzeugt ist, alles zu zerstören, den schönen Gedanken, Ängste so einfach zu zerstören und die etwas bittere Erkenntnis: So einfach ist es eben doch nicht.

Praktische Lebenstipps gibt es auch. Fast versteckt gibt es noch eine To-do-Liste, die immer, aber ganz besonders in diesen Zeiten passend ist: „Durchatmen! Ruhe bewahren! Die anderen Leute beißen nicht! Nicht die anderen Leute beißen!“ Und wenn eine Bekannte einen traurigen Menschen auffordert: „Jetzt lach doch mal!“ – wird sie einfach weggerissen. So schnell wird eine Bekannte zur entfernten Bekannten.

Die Comics von @krieg­undfreitag sind voll von solchen Wortspielereien. Und regen an, mal über den eigentlich Sinn von Worten nachzudenken. Denn vielleicht ist entzückend gar kein Synonym für bezaubernd. Vielleicht ist eine entzückende Person einfach sehr gut darin, im richtigen Moment eine Ente zu zücken. Das hebt schließlich fast immer die Stimmung. Dieses Zerpflücken von Worten, diese Mischung aus recht oberflächlichen und tiefgehenden Witzen und Bedeutungen machen die Mischung dieses Buches aus.

Beim Durchschauen wirkt „Schweres Geknitter“ fast wie ein Skizzenbuch – hier ein Comic, dort ein Bild, eingeklebte Zettelchen. Und so, wie ein persönliches Skizzenbuch, gibt auch das Erstlingswerk Einblicke in die Gedankenwelt eines tiefsinnigen Menschen – der sich zum Glück auch nicht zu schade ist für oberflächliche Witze über eine Maise.

Ganz zum Schluss wird es dann sogar noch romantisch: Mit einer interaktiven Liebesgeschichte, deren Happy End die Leserschaft allein in der Hand hat.

Manuela Wolbers Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
Rufen Sie mich an:
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