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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Literatur: Krimis um knurrigen Kommissar

06.10.2015

Stockholm Kommissar Kurt Wallander machte ihn berühmt. Einen Roman nach dem anderen schrieb der schwedische Krimi-Autor Henning Mankell über den mürrischen Ermittler aus Ystad. Kaum gedruckt, rissen ihm Leser auf der ganzen Welt die Geschichten aus den Händen. Mehr als 15 Millionen Bücher verkaufte Mankell allein in Deutschland. Weltweit setzte der Handel über 40 Millionen Wallander-Krimis ab. Ein Bestseller nach dem anderen – von „Mörder ohne Gesicht“ bis „Mittsommermord“ – wurde verfilmt. Doch Mankell, der jetzt 67-jährig gestorben ist, war mehr als ein rastloser Krimi-Schreiber.

Immer war der Schwede mit mehreren Projekten gleichzeitig beschäftigt – schrieb einen neuen Thriller, drehte eine Serie für das schwedische Fernsehen, produzierte ein neues Theaterstück. Das erste, was er je geschrieben habe, sei ein einseitiger Aufsatz über Robinson Crusoe gewesen, verriet Mankell einmal. „Das war der Moment, in dem ich Schriftsteller geworden bin.“

Neben Skandinavien nannte der gebürtige Stockholmer Afrika seine Heimat. Seit Mitte der 80er Jahre verbrachte Mankell viel Zeit in Mosambiks Hauptstadt Maputo, arbeitete dort an einem Theater, engagierte sich gegen Armut und Analphabetismus. „Meine Zeit zwischen Afrika und Europa aufzuteilen, hat mir Perspektiven und Distanz geschenkt, und ich glaube, es hat mich zu einem besseren Europäer gemacht“, erklärte Mankell. „Beide Orte sind mein Zuhause.“

Der Schwede schrieb auch über den Kontinent: „Der Chronist der Winde“ über das Leben von Straßenkindern in Maputo war 1995 der erste in einer Reihe von Afrika-Romanen. 2012 erschien „Erinnerung an einen schmutzigen Engel“. Aber keine Bücher des Schweden sind so beliebt wie die Krimis um den knurrigen Wallander. Dabei war der Ermittler seinem literarischen Vater gar nicht so sympathisch, wie Mankell schrieb: „Ich bin mir nicht sicher, ob wir Freunde wären, wenn wir uns im richtigen Leben treffen würden. Wir teilen die Liebe zur Musik und eine calvinistische Arbeitseinstellung, aber ansonsten sind wir ziemlich verschieden, und ich mag ihn nicht besonders.“

Nicht nur in Mankells Büchern spielten Gesellschaftskritik und Politik oft eine Rolle. Politisch engagierte sich der Sohn eines Richters und überzeugte Sozialist auch für die Sache der Palästinenser. 2010 machte Mankell die Reise der „Gaza-Hilfsflotte“ Richtung Palästina mit, die von israelischen Soldaten gestoppt wurde. Neun türkische Mitreisende starben. „Die haben versucht, mich zu töten“, sagte Mankell darüber.

2013 wurde bei Mankell ein bösartiger Tumor festgestellt. 2014 machte er seine Krebserkrankung öffentlich. Jeden Schritt des Kampfes beschrieb der Schwede von da an in einer Zeitungs-Kolumne. Doch selbst der Tumor inspirierte ihn zu einem Buch: Im gerade auf Deutsch erschienenen „Treibsand“ sinniert Mankell über sein Leben mit der Krankheit. Dankbar, schrieb Mankell, sei er für die Unterstützung seiner Frau Eva – einer Tochter des Filmregisseurs Ingmar Bergman, mit der er seit 1998 verheiratet war.

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