Bookholzberg - Da weiß selbst ein versierter Werksleiter nicht mehr weiter. „Fragt mal lieber die Inge“, sagt Johann Weerts, Chef des Kalksandsteinwerks in Bookholzberg, als historische Fakten verlangt werden. Und Gästeführerin Inge Meyer gibt die Antwort: 1894 fiel in Deutschland der Startschuss zur industriellen Massenproduktion der Kalksandsteine.
Nach dreijähriger Pause hatte Inge Meyer am Sonntag wieder zu einer Landpartie in das Werk an der Straße „Übern Berg“ in Bookholzberg eingeladen. Fast 30 Gäste waren gekommen, darunter der Bookholzberger Ortsbrandmeister Carsten Drieling, dessen Großvater in der Fabrik einst tätig war.
Die Geschichte des weißen Steins aus Bookholzberg beginnt vor etwas mehr als 111 Jahren: Am 3. Januar 1904 hatte in Lahusens Gasthof (später Grüppenbührener Hof) ein denkwürdiger Vortrag stattgefunden. Ein Eisenbahnbetriebsinspektor namens Horstmann schwärmte von einen Baustoff von bemerkenswerter Konsistenz – dem Kalksandstein eben. Die Werbekampagne Horstmanns fiel auf fruchtbaren Boden, weiß Inge Meyer zu berichten. Knapp zwei Wochen später gründeten Bürger die „Hartsteinwerke Grüppenbühren“, eine Genossenschaft. Vorstand und Aufsichtsrat wurden gewählt. Schnell war das Startkapital von 100 000 Mark zusammen. Weitere Monate später stand das Werk. Am 6. September 1904 wurde die Produktion aufgenommen.
„Das ging damals alles ratzfatz“, sagte Meyer unter Hinweis auf die langen Genehmigungsverfahren heutzutage. Gleichwohl galt es die Vorurteile gegen den neuen Baustoff auszuräumen: „Im Oldenburger Land gab es damals noch 60 Ziegeleien.“ Die ersten Steine lieferte das neue Werk zur Familie Von Seggern im Neuenlander Moor (heute: Kreienhooper Straße). „Das Gebäude steht noch.“
Heute arbeiten in dem Kalksandsteinwerk 17 Mitarbeiter, berichtete Weerts. Sie produzieren jährlich 15 bis 20 Millionen Steine. Gern zeigt der Werksleiter die 2007 erbaute, moderne Verpackungsanlage und führt durch die riesigen Hallen. Und wie muss man sich die Herstellung des Mauerstein aus Sand und durch Dampfhärtung erzeugtem Calciumsilikathydrat nun vorstellen? „Das ist wie Kuchen backen in der Sandkiste“, bringt auch Weerts die Gäste zum Lachen.
