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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kühne Kompositionen von Farben

11.09.2014

Oldenburg Ist, was wir sehen, das, was es ist, oder was wir zu sehen vermeinen? Etwa zwei Kilometer die Ausfallstraße entlang, lichte Wiesen, Buschgruppen, ein Bach: Ist das Landschaft? Natur? Oder ein Produkt, von Menschen fabriziert, ein Artefakt der Bagger und Laster? Ob und warum Landschaft Landschaft ist, ergibt sich aus unserer Sicht auf die Welt.

„O lala, von was für glänzenden Liebhabereien ich träumte!“ betitelt Maki Na Kamura ihre Ausstellung im Oldenburger Kunstverein. Die hübsch holprige Übertragung einer Zeile von Arthur Rimbaud könnte dem Verdacht Vorschub leisten, ihre Malerei gründe sich auf einen romantischen Blick. Immerhin ertrinkt, wer sich mit ihren Gemälden befasst, in Landschaftsgefühl.

Doch weit gefehlt! Zwar kann Na Kamura so mancher Spielart der zeitgenössischen Malerei wenig, alten Meistern hingegen umso mehr abgewinnen und flicht fortlaufend historische Zitate in ihre Bilder ein. Dabei bedeutet ihr Romantik nichts, und mit Natur, sagt sie, könne sie nichts anfangen. Was sie interessiert, ist alles, was Menschen geschaffen haben. Landschaft, nüchtern betrachtet, gehört dazu, ein Konstrukt, dessen Strukturen sie mit dem analytischen Blick des Künstlers wahrnimmt und wertet. Landschaftsmalerei, findet der, ereignet sich in geschichteten Ebenen. Deren Trennlinie, die Horizontale, also ist konstitutiv, sei sie geschwungen oder geschrägt.

24 Exponate aus diesem Jahr, eigens für Oldenburg geschaffen, hat Na Kamura, eine in Düsseldorf ausgebildete, inzwischen weltweit präsente Japanerin, im Kunstverein gehängt. Gehängt? Nein: inszeniert, im Bunde mit dem Weiß oder Grau der Wände und dem Wechsel des Lichts, das bald die aparten Ton-in-Ton-Gefüge erdig vibrieren, bald die kühnsten Farbkombinationen explodieren lässt.

Sehr rasch rührt einen beim Betrachten Seltenes an: eine aus sich heraus lodernde malerische Qualität, die 2013 mit dem bedeutenden Falkenrot Preis belohnt wurde. Jenseits aller Fragerei nach Benennung und Bedeutung, Konstrukt und Verweis, Natur und Überhöhung drängt alles, was diese Bilder ausmacht, dazu, schlicht verstanden zu werden als große Malerei.

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