Zur Geschichte des Oldenburg-Liedes“ hat Richard Tantzen bereits im Oldenburger Jahrbuch von 1964 (63. Band) eine umfassende Untersuchung vorgelegt. Tantzen stellte fest, dass es seit 1844 schon mindestens vier verschiedene Fassungen der sog. „Oldenburg-Hymne“ gegeben hat, die alle mit „Heil dir, o Oldenburg…“ begannen. Danach blieb es bis ins 21. Jahrhundert recht still um das Oldenburger Heimatlied. Erst der „Spieker“ – Heimatbund für niederdeutsche Kultur – hat im Jahre 2006 eine fünfte Version, und zwar auf Plattdeutsch, vorgelegt, die anders beginnt: „Ik leev di, Oll`nborg…“. In allen fünf Fassungen wurde aber die schöne Lied-Komposition der Großherzogin Cäcilie von Oldenburg aus dem Jahr 1844 nicht angetastet.
Wir wollen heute einmal mit einem kurzen Vergleich der fünf Fassungen der Frage nachgehen: Wie zeitgebunden sind eigentlich die verschiedenen Text-Versionen, und – brauchen wir heute überhaupt noch ein Heimatlied?
1. Fassung: Theodor von Kobbe, 1844
Heil dir, o Oldenburg, Heil deinen Farben.
Gott schütz dein edles Roß, er segne deine Garben.
Heil deinem Fürsten heil, der treu dir zugewandt,
Der dich so gern beglückt, o Vaterland.
Ehr deine Blümelein, pfleg´ ihre Triebe.
Blau und rot blühen sie, die Freundschaft und die Liebe.
Wie deine Eichen stark, wie frei des Meeres Flut,
Sei deutsche Männerkraft dein höchstes Gut.
Mutig dein Wimpel fleucht durch alle Meere.
Wohin dein Krieger zeucht, zollt man ihm Ruhm und Ehre.
Schleudert den fremden Kiel der Sturm an deinen Strand,
Birgt ihn der Lotsenschar mit treuer Hand.
Wer deinem Herde naht, fühlt augenblicklich,
Daß er hier heimisch ist, er preiset sich so glücklich.
Führt ihn sein Wanderstab auch alle Länder durch,
du bleibst mein liebstes Land, mein Oldenburg!
Diese Fassung galt offiziell von 1844 bis zum Ende der Monarchie 1918, inoffiziell sogar bis 1929. Die Volksschüler und Gymnasiasten in Oldenburg sollten sie auswendig lernen. Sie hatte noch vier Strophen – nach dem 1. Weltkrieg nur noch drei. In diesen vier Strophen werden folgende Aspekte angesprochen: a) Heimatliebe („Heil dir, o Oldenburg…“ / „edles Roß“ / „deine Garben“ / „“deine Blümelein“ / „Eichen stark“ / „mein liebstes Land“) b) Nationalbewusstsein („o Vaterland“ / „mutig dein Wimpel“ / „treuer Hand“ ) c) Fürstentreue („Heil deinem Fürsten, heil“ / „…der treu dir zugewandt“ / „…dich beglückt“ / d) Männerkraft („deutsche Männerkraft“ / „wie deine Eichen stark“) e) Kriegerehre („dein Krieger“ / „Ruhm und Ehre“). Diese fünf Begriffe zeigen schon ihre Gebundenheit an die Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts: Spätromantik, Fürstenherrschaft, Vaterlandsliebe, Patriarchat. Die auch damals schon durchaus erkennbaren historischen, sozialen und industriellen Veränderungen wurden von Theodor von Kobbe (1798 – 1845) noch gar nicht wahrgenommen.
2. Fassung: Deutschvölkische Freiheitsbewegung, 1926
Heil dir, o Oldenburg, Heil deinen Farben.
Gott schütz dein edles Roß, er segne deine Garben
Heil, deinen Friesen, heil, am Meer und Weserstrand,
Heil, deinem Sachsenvolk, im Heimatland.
Hier wurde nur die erste Strophe in Vers 3 und 4 verändert: aus „Heil, deinem Fürsten…“ wurde „Heil, deinen Friesen…“ Und aus „Vaterland…“ wurde „Sachsenvolk“, bzw. „Heimatland“. War das schon eine historische Vorausahnung von „Niedersachsen“ im Jahre 1946? Die „Deutschvölkische Freiheitsbewegung“ hatte mit diesem Vorschlag aber kein Glück. Der Oldenburgische Landtag setzte zunächst einen Ausschuss ein, der die Version durchaus befürwortete, wobei die Strophen 3 bis 4 von Kobbe unverändert bleiben sollten. Aber das um Prüfung gebetene Oberschulkollegium stellte sich nun quer und wollte die umgedichtete Fassung der 1. Strophe nicht in das Liederbuch der evangelischen Volksschulen aufnehmen – mit der Begründung, dass da-
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