Ganderkesee - Ausverkauftes Haus bei einem Kunst-Vortrag: Der Kulturabend mit Kunsthistoriker Detlef Stein und Musiker Prof. Ulrich Beckerhoff zur aktuell laufenden Émile-Bernard-Ausstellung in der Bremer Kunsthalle lockte am Mittwochabend 50 Zuhörer ins Kulturhaus Müller.

Derartige Querverbindungen, die unübersehbar die Handschrift der Ganderkeseer Kulturbeauftragten Dr. Wiebke Steinmetz tragen, sprechen einen weiten Teilnehmerkreis an. Das zeigt sich auch in den Kinderführungen, die unter Wiebke Steinmetz’ Regie eingeführt wurden. Aus einem Testballon ist inzwischen ein monatliches Angebot geworden, das im Durchschnitt 15 Kinder lockt. Und nicht nur sie.

„Manche Eltern, die ihre Kinder bringen, betreten das Haus Müller zum ersten Mal“, berichtet Wiebke Steinmetz. Es eigne sich ideal, um Kinder an Kunst heranzuführen, nehme etwaige Schwellenängste, meint die 53-Jährige. „Wer einmal drin gewesen ist, der kommt auch wieder.“

Die Frage, wie neben dem etablierten ein jüngeres Publikum für die Kulturangebote in der Gemeinde begeistert werden kann, ist für Wiebke Steinmetz ein Dauerthema. Immerhin eines, dem sie sich seit Jahresbeginn intensiver widmen kann als bisher: Hatte sie im November 2013 mit einer halben Stelle ihren Dienst in Ganderkesee angetreten, so kann sich die Kunsthistorikerin seit Jahresbeginn in Vollzeit um das bei der regioVHS angesiedelte Kulturprogramm der Gemeinde kümmern.

Ihr Aufgabengebiet ist freilich nicht kleiner geworden, nachdem Hardy Merchel, der bislang unter anderem die niederdeutsche Theaterreihe und das Kabarettprogramm verantwortete, in den Ruhestand verabschiedet wurde. Neben Merchels Zuständigkeiten, den Ausstellungen und sonstigen Veranstaltungen im Haus Müller, Events wie Gartenkultur-Musikfestival oder Jazz-Lounge fällt auch die Entwicklung neuer Formate in den Zuständigkeitsbereich der Kulturmanagerin. Wiebke Steinmetz’ erklärtes Ziel ist es, das Kulturhaus auch überregional bekannter zu machen. Zu einer Galerie solle es indes nicht werden, betont sie. „Wir wollen hier Kultur durch alle Sparten bieten – das ist ein gutes Konzept.“

Nicht am Konzept, aber an der Optik möchte Wiebke Steinmetz indes weiter rütteln. Nachdem sie – im Wortsinn – für Transparenz gesorgt hat, indem sie die schweren Vorhänge von den Fenstern verbannte, möchte Wiebke Steinmetz das Haus Schritt für Schritt modernisieren. Unter anderem sei vorgesehen, Fenster und Türen weiß zu streichen und die hintere Saaltür zugunsten eine größeren Wandfläche zu entfernen. Im Obergeschoss plant sie, schon in Kürze ein kleines Atelier für Kinder einzurichten. Seit wenigen Tagen weist vor dem früheren Praxisgebäude ein Schild den Weg ins Kulturhaus. Integriert sind Halterungen für Handzettel, mit denen draußen – vor der Schwelle – das Programm drinnen beworben wird.

Noch eine Idee, aber ein dringender Wunsch der Kulturbeauftragten ist es, eine Broschüre zur Geschichte des Hauses herauszubringen. „In anderen Gemeinden wird Ganderkesee um diese Einrichtung beneidet“, hat Wiebke Steinmetz in den vergangenen Monaten erfahren.

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee