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Kunst Der Holzbildhauer des Landes

Beate Kinder

Für die ältere Generation unserer Heimat war der Holzbildhauermeister Wilhelm Kunst aus Zetel nie ein Unbekannter. Die Retrospektive auf sein Leben und seine Werke im Jahr 2009, die anlässlich seines 100. Geburtstages mit einer 60 Exponate umfassenden Ausstellung im Schulmuseum Zetel-Bohlenbergerfeld dargestellt wurde, hatte Scharen von Besuchern angezogen. Vor 25 Jahren, am 13. Januar 1986 war Wilhelm Kunst verstorben, herausgerissen aus einem bis zum Schluß arbeitsreichen Leben, voll von Ideen und Schaffensfreude.

Viel Talent

Er wurde am 8. August 1909 als Sohn des Schmiedemeisters Wilhelm Kunst und seiner Frau Meta, geb. Paradies, in seinem Elternhaus in Zetel in der Bohlenberger Strasse 27 geboren. Dort wuchs er mit zwei weiteren Geschwistern auf und besuchte von 1919 bis 1924 die Höhere Bürgerschule in Zetel. Dort bereits fiel sein zeichnerisches Talent in einem ansonsten durchschnittlichen Zeugnis auf. Für seinen Vater war es selbstverständlich, dass sein Sohn im elterlichen Schmiedebetrieb ausgebildet werden sollte. Doch Wilhelm verspürte schon damals eine starke Neigung, mit dem Material Holz statt mit Eisen zu arbeiten. Und er brauchte viel Überzeugungskraft, bis sein Vater schließlich seinem Wunsch, Holzbildhauer zu werden, zustimmte.

Die Arbeit mit Holz war in der Friesischen Wehde nichts ungewöhnliches, gab es doch in Neuenburg eine lange Tradition der Möbelherstellung, in der viele Holzschnitzer beschäftigt waren. In einem dieser Betriebe, bei Wessels & Thorbeck, absolvierte Wilhelm Kunst von 1924 – 1928 eine Lehre als Holzbildhauer. Er erlernte den Umgang mit Schnitzmessern und die Bearbeitung des Naturstoffes Holz. Es wurden Ornamente in Schranktüren, Truhen oder Stuhllehnen geschnitzt, meistens mit den traditionellen Mustern des norddeutschen Raums. Sein Gesellenstück – ein als Relief reich ausgearbeitetes Blumengebinde – wurde mit „sehr gut“ bewertet. Etwa ein Jahr lang arbeitete er noch als Geselle in dem Neuenburger Betrieb Heinrich Wissmann sowie in einer Werkstatt in Wilhelmshaven.

Nach diesen ersten sieben Jahren beherrschte Wilhelm Kunst die Schnitztechnik in perfektem Maße. Das Erlernte reichte ihm jedoch nicht, und so entschloss er sich zu einem vierjährigen Studium an der renommierten Holzschnitzschule von Bad Warmbrunn in Schlesien.

Diese Schule hatte seit ihrer Gründung im Jahr 1902 bereits viele tüchtige Kunsthandwerker und anerkannte Holzbildhauer hervorgebracht. Kunst kam in die Klasse des aus dem Grödnertal stammenden Südtiroler Professors Cirillo dell’Antonio, welcher zu der Zeit der 3. Direktor der Schule war. Die Ausbildung umfasste die Fächer Zeichnen und Modellieren, den Unterricht in Anatomie und Verhältnislehre sowie kunstgeschichtliche Vorträge. Schon bald erkannte sein Professor die Begabung seines Schülers und sein feines, künstlerisches Gespür. Als die Eltern Kunst nach dem ersten Schuljahr die Kosten für seinen Aufenthalt nicht mehr aufbringen konnten, wurde das Schulgeld erlassen. Um den begabten Schüler Wilhelm aber den weiteren Unterricht zu ermöglichen, vermittelte ihm sein Professor private Auftragsarbeiten. Seine Entwürfe waren oft mit die besten, so auch ein preisgekrönter Entwurf für eine Ausschreibung des Museums für Leibesübungen 1934 in Berlin.

Glücklichste Zeit des Lebens

Für Wilhelm Kunst war es ein großes Glück, auf einen Lehrer wie dell’Antonio zu treffen, der mit großer Güte und mit menschlich-pädagogischem Verständnis die Schüler auf ihren zukünftigen Beruf vorbereitete. Und so wundert es nicht, dass Kunst noch nach vielen Jahren an diese Zeit als „die glücklichsten und sorglosesten Jahre meines Lebens“ zurückdenkt. Mit einem guten Zeugnis in

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