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KUNST „Janssen bleibt unser Zugpferd“

Von Regina Jerichow

Frage:

Ihre Sekretärin hat mit Ihnen jedenfalls mehr Arbeit als mit Ihrem Vorgänger.

Scheele:

Warum?

Frage:

Am Telefon meldet sie sich mit den umständlichen Worten „Amt für Museen, Sammlungen und Künstlerhäuser“. Haben Sie die Museen Oldenburgs vor Ihrem Amtsantritt noch schnell umstrukturiert?

Scheele:

Nein, nicht wirklich. Aber ich habe mein Herz in beide Hände genommen und offen den Wunsch geäußert, ob es nicht möglich wäre, die bisherigen Strukturen schlanker und effizienter aufzustellen. Das heißt, den Bereich der Museen aus dem größeren Fachbereich Kultur herauszulösen und damit zu verstärken. Hinter dem neuen Amt verbirgt sich die administrative Leitung aller kulturellen Einrichtungen der Stadt – vom Horst-Janssen-Museum bis zur Artothek. Wir müssen das natürlich noch mit Leben und Inhalten füllen.

Frage:

Das Ostfriesische Landesmuseum in Emden verzeichnete unter Ihrer Leitung durchschnittlich 80 000 Besucher im Jahr. Mit so vielen können nicht einmal alle drei Oldenburger Häuser zusammen aufwarten. Wie wollen Sie das ändern?

Scheele:

Ich muss mir zunächst einmal ansehen, wie die Besucherzahlen in den einzelnen Einrichtungen aussehen und nach den Ursachen fragen. Natürlich muss es darum gehen, das Besucherinteresse zu erhöhen, die Abstimmung mit den Füßen ist aber nicht der alleinige Maßstab für qualifizierte Museumsarbeit.

Frage:

Das Konzept des Horst-Janssen-Museums war zeitweise umstritten. Wie halten Sie es mit Janssen? Soll mehr von ihm zu sehen sein oder eher weniger?

Scheele:

Das Horst-Janssen-Museum soll ja nicht bloß eine Hülle, eine Bezeichnung für ein Grafikmuseum sein. Hinter dem Namen verbirgt sich eine programmatische Aussage, die in der Vergangenheit unter anderem in Ausstellungen wie „Janssen und Rembrandt“, „und Goya“, „und Schiele“ umgesetzt wurde. Ich glaube, dass es zudem um eine weitere Profilschärfung gehen könnte, insbesondere mit Blick auf die internationale Grafik.

Frage:

Bleibt Janssen das Zugpferd?

Scheele:

Keine Frage! Unser absoluter Höhepunkt in diesem Jahr ist nicht die Andy-Warhol-Ausstellung, sondern der 80. Geburtstag Horst Janssens mit der großen Retrospektive. Wir müssen uns besser aufstellen mit Blick auf Kooperationspartner und die Internationalität des Hauses, auf die wir in den nächsten Jahren zielen wollen – eingeschlossen die Aufarbeitung der eigenen Sammlung.

Frage:

Die Janssen-Sammlung ist noch nicht allzu groß.

Scheele:

Richtig, aber es gibt zum Beispiel das Jacobsen-Konvolut, das mit großer Unterstützung auswärtiger Stiftungen und anderer Einrichtungen angekauft wurde. Wir werden natürlich damit arbeiten. Nicht umsonst ist das Janssen-Museum im Rahmen der Registrierung niedersächsischer Museen zertifiziert worden. Das fußt auf der klassischen Museumsarbeit: sammeln, bewahren, forschen und vermitteln.

Frage:

Wie schätzen Sie das Edith-Ruß-Haus ein?

Scheele:

Ich sehe mit großer Freude, dass es mit der Förderung durch die Stiftung Niedersachsen gelungen ist, ein hochqualifiziertes Programm anzubieten, eine kleine Nische zu besetzen auf dem internationalen Markt der Medienkunst. Das Haus ist eine tolle Einrichtung, die Oldenburg vor allem international vertritt. Ich habe das Ziel, das Haus regional noch stärker zu platzieren, seine Medienkompetenz auch auf anderen Ebenen zu nutzen.

Frage:

Sie wollen mehr Oldenburger ins Haus holen?

Scheele:

Man könnte im Edith-Ruß-Haus Crossover-Angebote machen, vielleicht die Lounge für bestimmte Veranstaltungen nutzen, um Menschen bewusst hineinzuführen.

Frage:

Die städtische Galerie für lokale und regionale Künstler ist schon oft beschworen worden, doch existiert sie bis heute nicht. Ist der Plan vom Tisch?

Scheele:

(lacht) Nein, aber dazu kann ich im Augenblick nichts sagen. Da möchte ich mir erst selbst ein Bild machen. Mein Vorgänger Professor Ewald Gäßler hat im Stadtmuseum in den vergangenen zwei Jahrzehnten sukzessive an einer Kunstgeschichtsschreibung dieser Region gearbeitet. Die Udo-Reimann-Ausstellung ist ein aktuelles Beispiel dafür.
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